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Friedrichshainer Chronik
Juli 2010
Die Menschen | Das Verkaufstalent Die Kinderladenbetreiberin Ines Pavlou
Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das könnte gut und gerne die Maxime von Ines Pavlou sein. »Mein Arbeitstag fängt ja immer wunderbar an«, sagt sie. »Wenn ich morgens meinen Laden aufschließe, haben mir auf dem Weg dahin schon mindestens fünf Menschen einen guten Tag gewünscht.« Daß ihr das gefällt und wohltut, ist ihr anzusehen. Meist strahlt sie rund um die Uhr, hat wenigstens ein freundliches Lächeln im Gesicht, Griesgram scheint ihr fremd zu sein. Eine Frohnatur nennt man das. Dabei (...) Editorial | Editorial
Liebe Leser!
Vor einem halben Jahr hatte ich mich an dieser Stelle über den anhaltenden Kinderreichtum in Berlins ärmsten Stadtbezirk gefreut, nicht nur, weil daran auch manche Leser und Partner unseres Blattes aktiv beteiligt sind. Kinder sind und bleiben nämlich das Schönste und Wichtigste, das wir haben.
Um so absurder erscheinen mir die Überlegungen von den Finanzverantwortlichen dieser Stadt, gerade bei Kindern wieder den Rotstift zu spitzen. So sollen Kita-Plätze (...) Die Straßen | Kopernikusstraße
Eine Grenze trennt den West- vom Ostteil. Doch an der Demarkationslinie Warschauer Straße wird nicht scharf geschossen, sondern nur gnadenlos gerast. Den tobenden Straßenverkehr sollte der Stadtwanderer trotzdem respektvoll beachten, wenn er von der einen Seite der Kopernikusstraße auf die andere will.
Etwa von der beschaulichen in die lebhafte Hälfte, den Comeniusplatz im Rücken, wo vor 100 Jahren, an der Ecke Gubener Straße, der Wirt Paul Münnich seine Gubener Hütte (...) Die Reportage | Krabbelstuben mit Ausschank Kindercafés im Kiez
Frida ist zweieinhalb und ziemlich erschöpft vom gegenüberliegenden Drachenspielplatz in die Kinderwirtschaft gestürmt. Nun sitzt sie ganz artig am Tisch und saugt genußvoll aus dem Trinkröhrchen ihre Lieblingsbionade. Weil die Tante zu Besuch ist, hat ihre Mutter heute eine Ausnahme gemacht, sonst wäre Frida um diese Tageszeit in der Kita. Schließlich hat Yve Beigel in ihrem Eltern-Kind-Café in der Schreinerstraße alle Hände voll zu tun. Die 34jährige hat Bankkauffrau gelernt, (...) Die Bühne | Mäuse, Hasen und ein Krokodil
Die Mausefalle, das berühmte Theaterstück von Agatha Christie, 1952 im Londoner New Ambassadors Theatre uraufgeführt, ist das am längsten laufende Theaterstück der Welt. Ähnlich ergeht es Evelyn Geller mit Zumpelchen, der Maus, die so gern Käse nascht. Es war nämlich das erste Stück, das sie geschrieben und erarbeitet hat, mit dem sie sich selbständig machte und die eigene Zumpelbühne gründete. Zuvor hatte Evelyn Geller an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert und (...) Das Lernen | Barfuß und im Hosenrock
Anna reckt ihr Händchen mit vier gespreizten Fingern in die Höhe, als die Trainerin sie fragt, wie groß sie ist. Die Vierjährige ist ganz aufgeregt und begeistert, weil der Papa ihr endlich auch einen Gi, einen Bambini-Judoanzug kaufen will. Dann unterscheidet sie sich nicht mehr von den anderen Kindern, mit denen sie zweimal in der Woche Budo übt, das Einmaleins japanischer Kampfkünste. Auch diesmal hat es Anna wieder riesigen Spaß gemacht. Eine Stunde ist sie gehüpft, (...) Das Essen | Torten und Kaffeekunst
Bis zur großen Touristenfalle ist es nur ein Katzensprung. Vielleicht kosten deshalb auch Berlin-Besucher hier einen Kaffee, verschlingen Friedrichshain-Eroberer genüßlich ein Stück Limette-Schoko-Torte. Aber die Laufkundschaft hält sich die Waage mit den Stammgästen: mit Moritz, dem Friseur-Künstler von ein paar Häuser weiter, der Floristin aus der Kiezblume nebenan, der Buchhändlerin vom Antiquariat gegenüber, dem Studenten aus der Nachbarschaft, der jeden Sonnabend hier (...) Die Orte | Rotkäppchen und die anderen
Der Zwerg, der bei ihr auf dem Schoß sitzt, soll die unverwechselbaren Züge des Malers Adolf Menzel tragen, einschließlich Bartkrause und Brille. Schneewittchen selbst ist am rechten Oberarm tätowiert, also schon wieder von Kulturbanausen mit Graffiti verziert worden. Ähnlich war das bereits 1931, als Schuljungen die Figuren demoliert, oder in den 90er Jahren, als Vandalen den beliebten Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain verunstaltet und verwüstet hatten, bevor er von (...) Die Literatur | Ooch du mußt weg! Alte Kinderabzählreime
Kommste mit zu Frau Schmitt, übern Zaun, Äppel klaun? Denkste bist’n Schlaua? Nee, die Äppel sind noch saua! Tust’e mit’se Kuchen backen, mußte inne Hosen kacken! Det is nich fein? Schwirr ab – du Schwein! Kommste mit zum Bandit? Der hat Schiet. Schiet mischen wir mit Popel, koofen uns damit ’nen Opel! Haste Benzin im Tank nich drin, pinkel rin! Bist ’nen Ass – jib Jas! Kommste mit zu Herrn Klaus, in sein ollet Haus. Nehm wa mit ne Ratte, packen wa in Watte. (...) Mandy Meier | Papa-Picknick
Die Sonne hatte noch keine Lust zu gehen. Mark-Anton zerlatschte den Kuchen von Thalia, Artur, der kleine Engel, knallte Campino seine Schippe auf den Kopp, und Lillifee kippte einfach ein Eimerchen Sand über Friedrich-Alexander aus. Sozialdarwinismus im Buddelkasten. Überlebenstraining für den Bodenkampf in Kundus. Auf dem Weg von der Kita in die Heia lebte die Friedrichshainer Pampers-Mafia ungeniert ihre Selbstverwirklichung aus. Natürlich unter wohlwollender Observation (...) |
















