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Friedrichshainer Chronik
April 2010
Die Menschen | Die Passion. Der Ansichtskartensammler Joachim Fischer
Vor dem Haus in der Gubener Straße rangiert ein Möbelwagen mit Münchener Kennzeichen in die Parklücke. Möbelpacker springen aus dem Lkw und beginnen zu entladen. In der zweiten Etage des Vorderhauses steht eine Wohnungstür sperrangelweit offen. Es riecht nach frischer Farbe, auf dem hellen Laminat spiegeln sich die Sonnenstrahlen, in den leeren Räume hallen Stimmen.
Ganz anders die Wohnung gegenüber. Sie ist bewohnt, hier lebt seit über zwanzig Jahren Joachim Fischer mit seiner (...) Editorial | Editorial
Liebe Leser!
Auch in diesem Heft bieten wir nicht nur eine bunte, sondern interessante Mischung. So besuchen wir den Friedrichshainer mit der wahrscheinlich größten Ansichtskartensammlung, berichten von einer Astronomin, nach der ein kleiner Platz benannt ist, und tafeln fürstlich in einem Restaurant, das vor zwei Jahren von einem verheerenden Feuer heimgesucht wurde. Es sind wieder Geschichten von Menschen, Straßen und Häusern, das Kleine und Unscheinbare, das in (...) Die Straßen | Caroline-Herschel-Platz
Fast hundert Jahre war der Platz so unscheinbar, daß die Stadtverwalter gar nicht auf die Idee kamen, ihm einen Namen zu verpassen. Nur die Bewohner nannten ihn »Dreiecksplatz«, jene kleine Insel, wo Wühlisch- und Boxhagener Straße im spitzen Winkel aufeinander treffen. Etwa an der Stelle, wo gegenüber, in der Boxhagener Straße, noch in den 20er Jahren der Alte Kirchhof stand, später das Arbeitsamt und zu DDR-Zeiten das Gummiwerk. Erst vor fünf Jahren, im Rahmen der (...) Die Geschichte | Notaufnahme
So ein Schmerz im Bauch, damit geht man doch nicht zur Rettungsstelle! Rettungsstelle! Die Frau kann doch laufen, und sie lacht auch noch. Ist ihr eigentlich klar, daß wir ganz andere Fälle hier haben? Gehn Sie mal heim, junge Frau, wenn’s schlimmer wird, kommse wieder. Andre, die kommen auf Knien gekrochen.
Guten Tag, Vorgestern ich war schon hier. Schlimmer geworden? Jedenfalls nicht besser. Na gut, wir nehmen Sie unters Messer. Ich rasier Sie dann mal. (...) Das Essen | Phönix aus der Asche
Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden wollte unser Quartett: Über Freud und Leid im Geschäftsleben schwatzen, dabei gut und preiswert essen, und das in behaglicher und entspannter Atmosphäre. Die berühmte Futter-, Trink- und Partymeile im Stadtteil schied also von vornherein aus, und weil gerechterweise alle die gleiche Anlaufstrecke haben sollten, trafen wir uns in der Mitte. Genau an der Ecke Proskauer/Rigaer Straße, im Sando, auf den nettgemeinten Tip eines Auskenners. (...) Die Geschäfte | Sparen, spritzen und tanken
Der Student im Kapuzenshirt grüßt freundlich beim Eintreten und kramt aus seinem Rucksack eine leere Druckerpatrone. »Die Schutzkappe haben Sie wohl verbummelt? Schon ein winziger Krümel kann den Druckerkopf ruinieren!«, meint die Frau hinter dem kleinen Verkaufstresen. In ihrer Stimme schwingt kein Vorwurf, sie spricht mehr scherzhaft und liebevoll. Nach fünf Minuten hat sie die Patrone wieder mit schwarzer Tinte befüllt, für sechs Euro. »Die Kunden kommen ja immer mit (...) Die Orte | Nur in Begleitung von Kindern (II)
Zu dem im März-Heft veröffentlichten Artikel über das ehemalige Haus des Kindes am Strausberger Platz erreichten uns zahlreiche Leserzuschriften. Aus dem Für und Wider drucken wir an dieser Stelle Auszüge nach.
Und ewig tobt der Klassenkampf
Die Wortwahl des Autors ist diesem natürlich unbenommen, zeugt jedoch davon, dass man wieder einmal gerne das Rad der Geschichte zurückdrehen und den Lauf der Dinge aufhalten möchte ohne sich anscheinend darüber Gedanken zu machen, (...) Die Literatur | Matthias Blazek: Blutige Hände
Um neun Uhr abends gelangt das Paar vor der Langen Straße 88 an. Die Zeit steht fest, weil der Arbeiter Iglitzki (Itzig gemeint – d. A.) zur gleichen Zeit vor der Haustür anlangte und vorher seine silberne Einsegnungsuhr nach der Uhr an Schlesischen Bahnhof gestellt hatte. »Die beeden warn schon een bißken beschickert«, gab Iglitzki später vor der Kriminalpolizei an.
Eine halbe Stunde später schrickt Iglitzki aus dem Schlaf. Seine Frau rüttelt ihn an der Schulter. »Wach doch (...) Mandy Meier | Steuersünden
Zweifellos liebte es Mandy, wenn sich ihr Mann hin und wieder im gemeinsamen Haushalt nützlich machte. Nachdem sie neulich von der Arbeit nach Hause gekommen war, huschte also ein zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht, als sie ihren Dieter auf dem durchwummsten Sofa im Wohnzimmer hocken sah. Unter dem Couchtisch ein angebrochener Kasten Bier, darauf der summende Laptop, mehrere Steuerrecht-CDs und ein Stapel Fachbücher über 1.000 legale Steuertricks. Dieters Gehirnzellen (...) |
















