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Friedrichshainer Chronik
Mai 2009
Die Menschen | Loblied auf die Beständigkeit. Die Restauratorin Martina Dreykluft
Den nördlichen Teil der Neuen Bahnhofstraße kann man schwerlich als attraktiv bezeichnen. Es brummt der Durchgangsverkehr. Dem türkischen Grillhaus folgen eine holländische Pommesbude, der Asiasnack sowie die New Station Street Bakery. Auch fehlen weder Telefonladen noch Versicherung. Und dann: Ein Restaurierungsatelier für Bücher, Grafiken und Kunstobjekte.
Da steht man vor diesem kleinen Geschäft im Haus Nummer 23, das auffällt, weil die Fensterscheibe mit mehreren Bögen (...) Die Straßen | Lasdehner Straße
Putzig sieht es schon aus, wie das niedliche Eichhörnchen ohne Hast und Scheu über die Straße hüpft. Von der Grünfläche auf der einen in den kleinen Park auf der anderen Seite, in der Mittagszeit, am hellichten Tag. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß es in der Straße ziemlich geruhsam zugeht.
Das mag wohl vor vielen Jahren ganz anders gewesen sein, wie auch die Bebauung von damals sich mit der heutigen kaum vergleichen läßt. Doch Hitlers Krieg ließ vom Ursprünglichen nur wenig (...) Die Reportage | Der letzte Mohikaner. Vom langen Abschied der Volkskunst
Er ist viel herumgekommen, in Friedrichshain, erzählt Volkmar Götze, Jahrgang 1944. Im Stadtbezirk geboren und älter geworden, Wohnungen in der Simon-Dach- und Langen Straße, am Weidenweg und in der Grünberger, wo er heute noch zu Hause ist. Lehre und Arbeit im Bahnpostamt am Ostbahnhof. Dort kam er nach der Schule auch zum ersten Mal wieder mit Zeichenstift und Tusche in Berührung, in einem Mal- und Zeichenzirkel, wie es sie seinerzeit auch bei NARVA, im RAW »Franz Stenzer« (...) Das Trinken | Winzer, Weine und die Kunst
Altenburg ist nicht unbedingt als Hochburg des deutschen Weinanbaus bekannt, vielmehr als Ort eines historischen Prinzenraubs und als traditionsreiche Produktionsstätte von Skatkarten, wo es außerdem ein schmuckes kleines Theater gibt. So ist vielleicht auch zu erklären, weshalb Arndt Rehländer erst über Umwege in die Niederbarnimstraße, Ecke Frankfurter Allee kam, um hier im Dezember 2005 seinen Weinladen zu eröffnen: über seine Heimatstadt in Ostthüringen, ein Studium der (...) Das Essen | Bauherr und Koch
Auf das Gerede von Leuten, die unsere schöne Frankfurter Allee als Rennstrecke nach Warschau diffamieren, höre ich gar nicht. Andrerseits lächle ich auch über das Geschwätz von irgendwelchen importierten Event-Managern, die die Straße großkotzig als Handelsmagistrale »zwischen Moskau und Paris« aufpeppen wollen. Ich genieße es einfach, im Café Garbe hinter der riesigen Fensterscheibe zu sitzen und dem vorbeirauschenden Verkehr nachzusinnen. Außerdem kann ich diesmal über eine (...) Die Geschäfte | Schädel statt Sterne
Alles fing vorm Störtebäcker in der Revaler Straße an, wo es neben vorzüglichem portugiesischem Gebäck auch noch ganztägige kostenlose Besonnung vor der Tür gibt und die Bedienung den Kunden manchmal schon am Morgen fragt: »Wie immer – ’n Kurzer und ’n Bier?« Dort saßen drei junge Männer, genossen wie so oft ihren Kaffee, beobachteten belustigt die Heerscharen von Touris, die mit Ruck- und Schlafsäcken beladen durch den Szenekiez hetzten, immer wieder vor dem Cafétisch stehenblieben (...) Die Praxis | Fesselspiele und Massagen
Die Kopfstütze ist weinrot, die Liege höhenverstellbar und mit einem roten Spannlaken bezogen, vom stabilen Metallgestell baumeln zahlreiche Drahtseile und -schlaufen. An der Wand daneben Stoffschuhe und -gürtel, mit denen man sich bequem festbinden lassen kann. Was auf den ersten Blick wie eine abenteuerliche Vorrichtung für Fesselspiele in einem SM-Club aussehen mag, ist allerdings ein schlichtes medizinisches Hilfsgerät. Es heißt Schlingtisch und wird beispielsweise in der (...) Die Orte | Der Mörderkeller
Am 7. November 1926 setzte Adolf Hitler propagandistisch zum »Sturm auf die Reichshauptstadt« an; der von ihm ernannte »Gauleiter« Dr. Joseph Goebbels traf in Berlin ein. Bis zu diesem Zeitpunkt dümpelte die NSDAP im Wahl-Abseits: Am 25. Oktober 1925 hatte die Hitler-Partei Kandidaten für den Bezirk Spandau aufgestellt – und kümmerliche 137 Stimmen eingefahren. Goebbels verfocht das Motto »Eine schlechte Presse ist besser als keine Presse« und organisierte dauerhaft (...) Die Literatur | Katrin Girgensohn: Der Mond, die Spree, das Bier
Das Haus Nummer Neun stand in der Mitte der Straße und erlaubte einen Einblick in die darein mündende Scharnweberstraße. Laura wußte nicht, wie sie sich bemerkbar machen sollte, sie sah keine Klingel. Schließlich entdeckte sie einen Strick, der aus einem Fenster im ersten Stock hing. Ein dicker roter Pfeil war auf die Mauer des Eingangs gepinselt und wies auf das Ende der Schnur. Zaghaft zog Laura. Nichts geschah. Sie probierte es noch einmal, diesmal etwas entschiedener. Nun (...) Mandy Meier | Ordnung muß sein!
Die Sonne gaukelte seit Tagen Sommer vor. Wild entschlossen hatten Mandy und ihre Busenfreundin Gabi ihr wöchentliches Kaffeekränzchen vorverlegt und sich schon am Morgen getroffen. Im heimeligen Café in der Oderstraße, wo außerdem in der Manufaktur im Hinterzimmer Textilien phantasievoll bedruckt werden. Draußen, im Sonnenschein, löffelte Gabi entzückt den Schaum ihres Latte Macchiatos, gutgelaunt tunkte Mandy das mitservierte Schokoladenstückchen in den Milchkaffee. Aus dem (...) |


















