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Friedrichshainer Chronik

April 2008

Die Menschen | Sein langer Marsch. Der Beton- und Bombenbauer Bommi Baumann

Friedrichshainer Chronik
Vielleicht ist er nie fort gewesen. Vielleicht ist er einfach wiedergekommen … Hier in seiner Wohnung in der Landsberger Allee, wo er jeden Tag am Computer zwei, drei Stunden Zeitungen liest, darunter Il Corriere della Sera und The Times, und alle Nachrichten belegen, daß die Zustände in dieser Welt scheinbar für die Ewigkeit zementiert sind. Aber Michael Bommi Baumann ist einer, der daran zweifelt, dem das Leben seine Lektionen eingebleut hat. Derzeit schreibt er an einem, (...)    Go

Die Straßen | Ebertystraße

Flaneure sieht man hier kaum. Keine Wunder, denn ein Prachtboulevard ist die schnurgerade Straße wirklich nicht, wie auch das ganze Quartier im nördlichen Friedrichshain nicht unbedingt als Vorzeigegegend gilt. Jahrzehntelang hat der benachbarte Alte Schlacht- und Viehhof dem Viertel seinen Stempel aufdrückt, graue Fassaden und bröckelnder Putz hatten sich in sein Gesicht eingegraben. Heute sieht man vielen Häusern Modernisierung und Rekonstruktion an. Aber manche (...)    Go

Die Geschichte | Der Handelsvertreter

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Hurra, ich lebe noch. Die Woche ist vorbei. Freitag winkt mich auf die Überholspur neben all diejenigen, die morgen arbeiten müssen. Vorbei an jener Stelle, wo ich einst so oft so lange warten mußte … Ich hatte mich verdammt geärgert, als dieser Sachse da an der Grenze, den Dialekt kenne ich ganz genau, meiner Arabella auf die Pelle rückte und unter ihrem mintbeigen Kostüm rumzukramen begann. Als ich ihn mit hochrotem Kopf anfunkelte, grinste er zurück und ließ sich gar nicht (...)    Go

Die Geschäfte | Dampfpackung mit Milch und Honig

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Zuerst glaubte er an einen Scherz, dann an einen Irrtum. Am Ende war er nur noch verärgert und bat seine Rechtsanwältin, sich darum zu kümmern. Die Juristin überzeugte dann das Ordnungsamt sehr schnell davon, daß die schlichte Holzbank vor dem Schaufenster mitnichten irgendwelchen Schankzwecken dient, sondern deshalb hingestellt wurde, damit sich Verkäufer, Kunden und Anwohner hinsetzen und ausruhen und vielleicht auch im Sonnenschein miteinander plaudern können. Schließlich (...)    Go

Das Essen | Sizilianische Vesper

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Der blutige Aufstand in der Hafenstadt Palermo begann zum Abendgottesdienst, zur Vesper am Ostermontag, am 30. März 1282. Auslöser war die Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen französischen Besatzungssoldaten im Dienste Karl von Anjous. Die Mutter der geschändeten Frau lief daraufhin klagend durch die Gassen: »Ma fia! Ma fia!« – »Meine Tochter« nach mittelalterlichem sizilianischem Dialekt. Etwa sechs Wochen später wurden die französischen Einwohner Siziliens grausam (...)    Go

Die Orte | Kulisse für eine Inszenierung

Ein Foto hat den Ort weltbekannt gemacht, doch die Ecke selbst kennen auch viele Einheimische nicht namentlich: den Hel­sing­forser Platz, benannt nach der finnischen Hauptstadt, an der Warschauer Brücke gelegen, auf den die Helsingforser und die Marchlewskistraße münden. Das berühmte Foto ist allerdings ein Standbild, herauskopiert aus einem Dokumentarfilm. Es zeigt zwei Straßen, die um ein zerbombtes Haus im spitzen Winkel aufeinander zulaufen und aus denen zwei (...)    Go

Die Literatur | Carsten Schulze: Paranoia-Ungeheuer auf Stralau

Der Klang der Stimmen kam ihm vertraut vor. Ein geschäftsmäßiger Tonfall, höflich, sachlich, mit witzigen Einlagen gespickt, die dreckiges Lachen hervorriefen. Einer schien älter, er führte jetzt das Wort. Angestrengt horchte er von seinem Platz. »Man glaubt erst, wenn man es selber sieht, welchen Auswurf dieses Land beherbergt, gerade in einer Stadt wie Berlin. Vor 15 Jahren haben wir begonnen im Osten Inseln zu errichten, heute lassen wir die Inseln schleifen, die übrig (...)    Go

Mandy Meier | Fluchtpunkt Tempelhof

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Besuch war am Wochenende eingetroffen bei den Meiers am Boxhagener Platz. Ein alter Schulfreund von Mandys Mann, den es vor Jahren nach Leipzig verschlagen hatte. Der Gast sollte natürlich etwas erleben. Also schleppten Mandy und Dieter ihn mit über die Südgrenze des zwangsvereinten Stadtbezirks, nach Tempelhof. Dort am Flughafen gab es nämlich ein megastarkes Event, ein Volksfest mit Hotdogs, Swing und Stars zum Anfassen. Bereits in der kultigen Eingangshalle, durch die (...)    Go

Die Blickpunkte | Die Blickpunkte

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Thomas Heubner fotografierte in der Karl-Marx-Allee, Grünberger und Tamara-Danz-Straße.    Go
pfeilback   
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