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Friedrichshainer Chronik

März 2008

Die Menschen | Fußball, Pop und Country. Der Soziologe Gerd Dembowski

Friedrichshainer Chronik
Daran kann er sich noch genau erinnern, daß er damals mit Freuden im Conmux gelandet war, daß ihm die lockere Atmosphäre in der Kneipe gefiel, die Leute, die Musik, das Anarchistische. Und daß es Anfang Dezember 1999 war, nachdem er im ColumbiaFritz das grandiose Konzert mit Kinky Friedman erlebt hatte, einem amerikanischen Country-Musiker, der mal gesagt hatte: »Die Deutschen sind mein zweitliebstes Volk. Das liebste ist jedes andere.« Er weiß zwar nicht mehr, ob sie beim (...)    Go

Die Straßen | Wanda-Kallenbach-Straße

Selbst die meisten alteingesessenen, ortskundigen und heimatverbundenen Friedrichshainer kennen diese Straße nicht. Kein Wunder, existiert sie doch noch nicht einmal anderthalb Jahre. Zudem ist sie kaum sichtbar, klein und ziemlich versteckt auf dem riesigen Anschutz-Gelände, wo heute noch hektische Bautätigkeit herrscht, vom Verkehr auf der Mühlen- und Warschauer Straße umtost. Und die Namensgeberin ist auch keine Berühmtheit, die wenigsten haben jemals etwas von Wanda (...)    Go

Das Gespräch | Lufthoheit überm Stammtisch

Friedrichshainer Chronik
Dr. Dieter Kinsky ist studierter Mathematiker, promovierter Automatisierungstechniker und arbeitet als Marketing-Manager in der Getränkewirtschaft. René Jährig, gelernter Gastronom, ist Vertriebsbeauftragter im Getränkefachgroßhandel und Betreiber des Ambrosius Bier-Clubs in der Warschauer Straße. Die Friedrichshainer Chronik sprach mit ihnen über Kneipen, Bier und Rauchverbot. Der Bierdurst der Deutschen ist auf das Niveau von 1995 gesunken, auch in Friedrichshain wird (...)    Go

Die Momente | Die Momente

Friedrichshainer Chronik
Geschäftsschädigend Feierabendbetrieb in der U1. Der Straßenfeger-Verkäufer will vor der Endhaltestelle Warschauer Straße noch ein paar Exemplare der Obdachlosenzeitung verkaufen und leiert laut und deutlich seinen Spruch herunter. Damit nicht genug. Zur Verkaufsförderung macht er Reklame: »Die Titelgeschichte zum Asylrecht!« Und dann doziert er, daß das Thema im Blatt sowohl aus historischer, philosophischer als auch aus ideologiekritischer Sicht beleuchtet würde. Außerdem ein (...)    Go

Das Lernen | Sonnengruß und Feueratem

Friedrichshainer Chronik
Sie heißen Bhujangasana und Shalabhasana, ins Deutsche übersetzt: Kobra und Heuschrecke. Diese Übungen gehören ebenso zum Yoga-1x1 wie Surya Namaskar, der Sonnengruß oder Kapalabhati, die Schnellatmung. Letztere wird auch Feueratem genannt und ist eine Atemübung, die meist direkt auf die Anfangsentspannung bzw. die Einleitungsmantras folgt: Man hat die Augen geschlossen, sitzt aufrecht im Schneider- bzw. Lotussitz, ein Fuß auf einem Oberschenkel, den anderen Fuß auf den anderen (...)    Go

Das Trinken | Dem Glücklichen schlägt keine Stunde

Friedrichshainer Chronik
Weit nach Mitternacht. Der Mann an der Bar war nicht mehr ganz nüchtern, bestellte trotzdem noch einen Drink, einen Manhattan. Er bekam das Gewünschte, hob das Glas in die Höhe und betrachtete die Flüssigkeit im schumm­rigen Gegenlicht. Er schüttelte ungläubig den Kopf und lallte mühsam: »Was schwimmt denn da für ein komischer grüner Fleck in meinem Gesöff?« »Mein Herr«, antwortete der Barkeeper höflich, »Sie hatten doch einen Manhattan bestellt. Und das Grüne da drin ist der Central (...)    Go

Das Essen | Weiß, weißer geht’s nicht

Friedrichshainer Chronik
Lange hatte ich um das seit vier Jahren in der Simplonstraße residierende Schneeweiß einen Bogen geschlagen. Zum einen, weil die Lorbeeren schon mit der Gießkanne über diesem Lokal ausgekippt wurden: von den großen Hauptstadtzeitungen über alle Stadtmagazine bis zu VOX-TV, Playboy, Architektur & Wohnen und der New York Times. Das macht verdächtig. Schließlich wußte ich, daß die eine Gastrokritikerin als Gattin eines Spiegel-Korrespondenten ein paar Jahre in New York gelebt (...)    Go

Die Geschäfte | Helden aus der Nachbarschaft

Friedrichshainer Chronik
Der Inder mit dem Turban auf dem Kopf, vom Restaurant gegenüber, will nur eine Telefonkarte. Er telefoniert viel und kommt fast täglich. Der Mann in blauer Trainingsjacke mit Adidas-Streifen reicht wortlos Kleingeld über die Verkaufstheke und bekommt seine Zigarettenmarke. Der nächste Kunde suchte schon im ganzen Kiez vergeblich nach einer großen Flasche Korn und ergattert hier endlich sechs kleine Pullen zu einem günstigen Preis. Den zwei eintretenden jungen Frauen werden die (...)    Go

Die Orte | Henkersknecht mit Doppelleben

Friedrichshainer Chronik
Nette Nachbarn haben sich da einquartiert, werden die Bewohner des Hauses Gabelsbergerstraße 7 gedacht haben, als sie Mitte 1949 erfuhren, daß nach Gustav Völpel auch noch dessen Frau Martha von der Polizei verhaftet worden war. Gewiß, man hatte schon vorher über das Ehepaar gemunkelt. War es doch ein offenes Geheimnis, daß die damals 31jährige Frau mit den blondierten Haaren bereits vor dem Krieg als Bordsteinschwalbe anschaffen gegangen war. Und der 17 Jahre ältere Gustav (...)    Go

Die Literatur | Ingrid Bork: Für einen Groschen Sauerkraut

Die Wohnung der Beymestraße 7 (heute Lehmbruckstraße) kann ich noch genau schildern. Im Herbst 1932 sind wir da ausgezogen, also als ich vier Jahre alt wurde. Meine Mutter hatte den kleinen Gemüseladen. Mein Vater hatte 1929 endlich Arbeit gefunden. Trotzdem behielt sie den Laden bis 1932, denn es war nicht sicher, ob mein Vater seine Stelle in der Bausparkasse behielte. An den Laden grenzte die Wohnung. Vom Hausflur aus betrat man die Wohnung. Vom Korridor (Flur) aus lag (...)    Go

Mandy Meier | Böse Mädchen

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Dank ihrer regelmäßigen Kaffeekränzchen kannten sich Man­dy und ihre beste Freundin Gabi in den Friedrichshainer Vergnügungsstätten recht gut aus. Gleichwohl waren sie Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. Interessiert, um nicht zu sagen neugierig, lasen sie deshalb ein Stadtmagazin, auf dessen Titelseite eine Frau mit heruntergelassenen Schlüpfern auf dem Klo saß und die Schlagzeile fragte »Sind Sie ein böses Mädchen?« Aus der Titel­story las Gabi dann vor, daß Sex im Bioladen, (...)    Go

Die Blickpunkte | Die Blickpunkte

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Thomas Heubner fotografierte in der Boxhagener, Kinzig- und Holteistraße. (Wer sich über die »Fassadenmalerei« mit kommerzieller Werbung bei den Ogo-Künstlern beschweren oder bedanken möchte, dabei nicht erst in die USA beziehungsweise Israel zu IXI-Mobile reisen will, dem sei die robot-Werbeagentur in 10997 Berlin, Schlesische Straße 29/30, empfohlen.)    Go
pfeilback   
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