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Friedrichshainer Chronik

November 2007

Die Menschen | Mit Herz und Schnauze. Der Karikaturist Erich Schmitt

Friedrichshainer Chronik
Am 11. März 1924 wurde der Urberliner Erich Schmitt in der unmittelbaren Nähe des damaligen Schlesischen Bahnhofs geboren. Seine Eltern waren etwas verstört; denn der Knabe glänzte keineswegs durch äußere Schönheit. Immerhin beherrschte er schon damals die Kunst, mit geschlossenen Augen die Flasche auszutrinken. Er ließ nie einen Rest zurückgehen. Im zarten Alter von knapp vier Jahren gelang dem kleinen Erich sein erstes frühreifes Kunstwerk. Er malte mit einem Stück Kreide ein (...)    Go

Die Straßen | Andreasstraße

Im Juni dieses Jahres, an einem Freitagnachmittag, herrschte in der Straße helle Aufregung. Ein Schuß knallte, mitten in einer Grünanlage hatte sich ein Mann erschossen. Einen Tag vorher hatte er mit einem Komplizen in der Revaler Straße ein Geschäft überfallen, und die Polizei fahndete nach ihm. Ansonsten muß man hier auch zu nächtlicher Stunde nicht um sein Leben bangen, die Andreasstraße fällt nicht unbedingt als kriminelle Hochburg auf. Ganz im Gegenteil. Auf dem breiten und (...)    Go

Das Gespräch | Invasion der Giftpilze

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Seit Anfang des Jahres initiiert die Berliner Agentur Gröschel Geheeb die Kampagne PROST KLIMA!, die auf spürbare Energieeinsparung in der Hauptstadt zielt. Zu den zahlreichen Betrieben aus der Gastronomie und Tourismusbranche, die sich an dieser Aktion beteiligen, zählt das Pegasus Hostel in der Straße der Pariser Kommune, dem auch die Restaurants »Sauerkraut und Bulgur« sowie »Pazza & Pista« angegliedert sind. Die Friedrichshainer Chronik sprach mit Simone Schüler, (...)    Go

Die Momente | Die Momente

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Armageddon Mit »Ausverkauf« und »extrem günstig« am Schaufenster wirbt der Billigramschladen kurz vor dem Frankfurter Tor. Für Schnäppchenjäger bleibt nicht viel Zeit, denn »Die letzten 100 Tage« werden auch gleich angekündigt. Passend dazu im Sortiment: zirka einen Meter große Raketenköpfe, »original US«, das Stück für schlappe 25 Euro. Ob noch scharf mit herkömmlichen oder Atomsprengkopf, bleibt Militärgeheimnis. Ebenso der Vertriebsweg: Schmuggelware von GIs aus dem Irak, die damit (...)    Go

Die Geschäfte | Krabat, Weckmann und Stutenmädels

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Auf dem Anrufbeantworter melden sich die Kunden im Minutentakt und geben ihre Bestellungen für den nächsten Tag auf. Auch das Faxgerät spuckt am laufenden Band Aufträge aus, von Bioläden, Cafés, Restaurants oder Hotels. Dazwischen Handyklingeln: Heike muß sich leider krank melden und kann heute nicht putzen kommen … Dabei geht es am frühen Nachmittag noch ruhig zu bei Ciabatoni & Crossini. Lebhafter wird es erst wieder ab 21 Uhr, wenn die Nachtschicht anfängt zu backen, und (...)    Go

Das Trinken | »Nach dem Krieg um sechs ...

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Im ›Kelch‹!«, so verabschiedete sich einst der brave Soldat Schwejk von seinem Kumpel Woditschka. Der wiederum erkundigte sich »Was für ein Bier ham sie beim ›Kelch‹?«, worauf Schwejk antwortete: »Großpopowitzer!« Nun, Großpopowitzer Bier bekamen wir schon nicht mehr zu trinken, als wir in grauer Vorzeit im visafreien Verkehr in das Freundesland ČSSR reisten und in Prag dem Lokal U Kalicha (Zum Kelch) unseren Pflichtbesuch abstatteten. Ebenso im U Fleku (Beim Fleck) oder im U (...)    Go

Das Essen | Brunch unter vier Sternen

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Diktatoren zeichnen sich durch ein gnadenloses »entweder oder« aus. Wie früher meine Eltern und die DDR-Führung. Sie kannten entweder Frühstück oder Mittagessen. Ein versöhnlerisches Mittelding gab es nicht, Brunch war ein Fremdwort des Familien- und Klassenfeindes. Das hat sich mittlerweile geändert, und manchmal genieße ich es sogar. Mit den Jahren allerdings fand ich die sonntägliche Frühstückskultur, die sich um Boxhagener Platz und Sonntagstraße wie die asiatischen Winkekatzen (...)    Go

Die Orte | Friedhof am Wasser

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Und wieder einmal hat sich ein heller Tag zwischen das Grau des jungen Herbstes geschlichen. Die Luft ist kühl und erinnert schon an den kommenden Winter. Strahlendes Blau und ein Tag voller Zeit. Der hedonistische Großstädter macht sich auf ins Freie, auf der Suche nach Genuß. Zwischen all den Häusern gibt es sie immer wieder: grün, üppig, wässerig, dunkel und träge – urbane Natur im Großstadtdschungel. Wir sind in Friedrichshain. Lassen Sie uns mit dem Fahrrad fahren. Noch (...)    Go

Die Literatur | Hans Christian Schrader: Unter der Erde geht das Leben weiter

Zwischen Schlesischem Tor und Warschauer Straße hat man, wenn der Zug über die Oberbaumbrücke fährt, einen der schönsten U-Bahn-Blicke auf die Spree und den Osthafen, besonders kurz nach Sonnenuntergang, zwischen Tag und Nacht. Zwei Männer sitzen auf dem Bahnhof auf einer Bank. Sie fahren nicht, sie sitzen U-Bahn. »Haste ooch jespielt?« – »Wat denn jespielt?« – Na, Lotto, Jeckpott.« – »Nee, dafür hab ick keene Kohle.« – »Na mußte aber spielen. Wenn de jewinnst, biste raus aus (...)    Go

Mandy Meier | Urinstinkte im Shoppingtempel

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Manchmal wußte Mandy nicht, ob sie über ihren Mann weinen oder lachen sollte. Heulen, weil er sich oft wie ein unbelehrbarer, mental zurückgebliebener Ost-Zoni benahm. Frohlocken, weil er als flexibler Jobsuchender seine Freizeit häufig sinnvoll nutzte und erfolgreich auf Schnäppchenjagd ging – weil er ja nicht blöd und außerdem geil war. Wie neulich, als er genau eine Woche nach dem »Tag des alkoholabhängigen Kindes« mit seinem Kumpel Fred den vertrauten Boxhagener Kiez verließ, (...)    Go

Die Blickpunkte | Die Blickpunkte

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Florian Meerwinck fotografierte am 1. September auf dem Fest der Richard-Sorge-Straße.    Go
pfeilback   
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