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Friedrichshainer Chronik
Oktober 2007
Die Menschen | Mut, Tatendrang und Schönheit. Der Komödiant Thomas Schmitt
Die Eltern sollen sehr erschreckt gewesen sein bei der Geburt ihrer Söhne Thomas und Ulrich, schrieb einst liebevoll ein guter Freund des Vaters. »Denn die Knaben glänzten keineswegs durch äußere Schönheit. Immerhin beherrschten sie schon damals die Kunst, mit geschlossenen Augen die Flasche auszutrinken. Sie ließen nie einen Rest zurückgehen. Im zarten Alter von vier Jahren gelang dem kleinen Thomas sein erstes frühreifes Kunstwerk. Er malte mit einem Stück farbiger Kreide einen (...) Die Straßen | Blumenstraße
Als braver Bürger ahnt man nichts Gutes, wenn Stadtplaner derzeit davon munkeln, die Blumenstraße wieder »als wichtige quartiersinterne Verbindung« zu stärken. Denn im Windschatten der mächtigen Karl-Marx-Allee geht es noch relativ ruhig und beschaulich zu. Sonst würde man wohl auch kaum im Karree das alte Gebäude der G. Kärger-Fabrik für Werkzeugmaschinen A. G. ausbauen zu schicken Wohnungen mit Tiefgaragen, nachdem es seit der »Wende« lange Zeit leer stand und vor vier Jahren (...) Die Geschichte | Der Droschkenkutscher
Von der Fassade bröckelte Putz der Jahrhundertwende. Die Fenster waren vernagelt, die Türen aufgebrochen. Kein Laut drang heraus außer dem Pfeifen des Windes, wenn er sich durch offene Spalten und Risse preßte. Bei Regen schoß das Wasser aus den geborstenen gußeisernen Rohren, spülte bunt schillernde Verpackungen von Schokoriegeln, Plastikflaschen, Zigarettenschachteln und sogar Scherben über den rissigen Rinnstein in die Gosse. Neben den Regenrinnen hatte schon vor Jahren (...) Die Geschäfte | Mütterstammtisch unterm Regenbogen
Endlich ist Ines Pavlou fündig geworden. Lange hat sie nach einem Namen gesucht: in Bibliotheken, bei Freunden und der Familie. Im Internet entdeckte sie ihn schließlich. Amitola soll ihr neues Geschäft heißen. Der Name kommt aus dem Indianischen und bedeutet Regenbogen. »Das entspricht genau meinem Warenangebot« sagt Ines Pavlou, »bei mir kann man kunterbunte Kinderprodukte, sowohl Secondhand- als auch Neuware erstehen.«
Im Mai dieses Jahres hat sich Ines Pavlou, gelernte (...) Die Reportage | Ampelmännchens Hoheitszeichen
Rotkäppchen gibt es nicht, es knallen keine Sektkorken. Aber wenigstens eine Flasche Berliner Pilsner genehmigt er sich dann doch zum Feierabend, gleich aus dem Kühlschrank in seinem bescheidenen Hinterhausbüro in der Schreinerstraße. Zufrieden lehnt sich Jörg Davids in seinem Schreibtischstuhl zurück, wiegt aber bedenklich den Kopf. In seinen Händen hält einen Brief, einen amtlichen: Das Oberlandesgericht München teilt mit, daß Herr Manfred Jansen gegen das Urteil des (...) Das Essen | Kiezprozession bei Duftreis und Zitronengras
Manchmal hat man sogar im Karree um den Boxhagener Platz Glück. Wie wir an jenem Spätsommerabend, an dem man noch draußen sitzen konnte. Zudem vor dem kleinen Restaurant in der Krossener Straße, das sich von anderen Speisegaststätten der näheren Umgebung alleine schon dadurch unterscheidet, daß man hier den obligatorischen pappigen, im Dressing schwimmenden Salat mit gegrillten Hähnchenbruststreifen vergeblich sucht.
Das Papaya jedenfalls war knüppeldickevoll, wir freuten uns (...) Die Orte | Der verweigerte Hitlergruß
Unscheinbar ist sie, die Glatzer Straße, hat nichts Spektakuläres vorzuweisen. Außer der Tatsache vielleicht, daß sie – eingeklemmt von Boxhagener und Weserstraße – zu den kürzesten Straßen des Bezirks zählt. Jedoch an einem der schlichten Mietshäuser, der Nummer 6a, ist eine unauffällige Gedenktafel angebracht. Sie erinnert daran, daß in diesem Haus Werner Seelenbinder lebte. Legende und Idol des deutschen Arbeitersports. »Er verkörpert den Athleten der Zukunft, der manches vom (...) Die Literatur | Karl Stitzer: Was ist denn an der Weberwiese los?
Was ist denn an der Weberwiese los, da steht ein Haus so riesengroß. Das stand vor ein paar Wochen noch nicht hier. Berlin baut auf. Berlin sind wir. Die neuen Häuser, die sind dein und mein, wir alle wollen Hausherrn sein.
Und wer Geselle, greift zur Kelle, ist zur Stelle. Ich in unseren Reihen, an der Spree und an der Panke, Weißensee und Friedrichshain, überall nur ein Gedanke, schöner wird das Leben sein.
Herunter mit den alten Resten Stein auf Stein, (...) Mandy Meier | Von der DDR lernen ...
Arm in Arm, glückselig und leicht beschwipst, tippelten Mandy und ihre Freundin Gabi über den Boxhagener Platz. Hinter ihnen trotteten folgsam deren Göttergatten Dieter und Fred. Die vier kamen vom Brandenburger Tor, vom Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit.
»Ach ja«, seufzte Gabi, »es war doch nett. Und wie schön die Carmen Nebel moderieren kann!« Mandy stimmte zu, meinte aber, daß beim Estradenprogramm nur dieser Räpper Burschiko etwas peinlich war. Daß dieser ständig was (...) |














