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Friedrichshainer Chronik

Juni 2006

Die Menschen | Heißgeliebter Klotz am Bein. Eliora - mein Mädchen

Friedrichshainer Chronik
»Brüüüüüüüüüüüülle ...«, »Brüüüüüüüüüüüüülle ...!« Kurzes Schweigen, dann setzt der Ruf meiner Tochter Eliora wieder ein. »Eliora, ich glaube nicht, daß die Brille von selber wiederkommt, die müssen wir schon suchen.« Es ist morgens acht Uhr in der deutschen Hauptstadt. Alles hatte so schön angefangen. Vor ein paar Tagen hatte ich mir mal wieder vorgenommen, ein neuer Mensch zu werden. Und nun das - der ganze Plan im Eimer. Kindergärtnerinnen sind gnadenlos; wie sie dich anschauen, wenn du es wieder (...)    Go

Die Straßen | Der Forckenbeckplatz

Die berühmte Insel im Häusermeer ist ein ziemlich abgelatschter Begriff, aber für den Forckenbeckplatz trifft er irgendwie zu: Die einzige größere Grünfläche im Kiez liegt ein paar Meter höher über dem Meeresspiegel - den hier freilich keiner sehen kann - als etwa die Frankfurter Allee. Und dann ist sie von einem halben Dutzend Straßen umschlossen wie der Eldenaer, Proskauer, Bänsch- und Liebigstraße oder dem Weidenweg. Gegenüber, auf dem riesigen Gelände des Alten Schlachthofes, (...)    Go

Die Reportage | Soccer in Paradise - Friedrichshainer Ball-Saison

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Die Sporttasche mit den verschwitzten Klamotten landet mit kühnem Schwung erst mal in der Küchenecke. Der erste Griff geht zur Kühlschranktür, dann wird die Flasche Cola fast in einem Zug ausgetrunken. Eine Ritualhandlung für Clemens Matuschek, wenn er dienstags und donnerstags abends nach Hause kommt. Der Durst will nämlich schnell gelöscht werden, schließlich liegen gute zwei Stunden Fußballtraining hinter dem 18jährigen. Auf dem Laskersportplatz an der Persiusstraße hat er (...)    Go

Die Praxis | Bodybuilding für die Stimme

Anfangs klingt es noch niedlich, wenn Klein-Kevin »Tuchen« statt »Kuchen« sagt, »Soß« statt »Schoß« oder »Lad« statt »Rad«. Schlimm ist es auch nicht, wenn andere Kleinkinder lispeln, stottern oder poltern beim Sprechen, wenn sie also Laute und ganze Silben verschlucken. Problematischer wird es allerdings, wenn etwa ein Vierjähriger wie ein Zweijähriger in Zwei-Wort-Sätzen wie »Ball haben!« spricht. Und Alarmglocken sollten bei den Eltern schrillen, wenn ihre Kinder ganz wenig oder gar (...)    Go

Die Momente | Die Momente

Kettensägenmassaker Am Ostkreuz bewegt sich was. Wurde ja auch Zeit. Fahrgäste erleben beim Bahnsteigwechsel echten Abenteuertourismus, die Bausubstanz modert, der Bahnhof macht seinem Spitznamen »Rostkreuz« alle Ehre. Vor ein paar Wochen wurden die Kettensägen angeworfen. Am südlichen Ausgang zum Markgrafendamm verschwanden die Obstbäume, am Fuß des Wasserturms die Vegetation. An der Sonntagstraße rückte man den Baracken zu Leibe, in der Kynaststraße den Kleingärten. Außerdem (...)    Go

Das Essen | Griechisches, allzu Griechisches

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»Griechenland! Du Land der Sonne, Land der Schatten, Land des Lichts – Ohne Sonne, Licht und Schatten, Hellas! Säh’ man von Dir nichts.« Wenn man mit diesen Versen von Robert Gernhard morgens aus dem Traum krabbelt, ist das ein deutliches Zeichen: Anscheinend bin ich in der Nacht abgetaucht in der Ägäis. Das kann an meinem Fernweh liegen. Die Frage ist nur: Wie stillt man eine solche Sehnsucht? Einen Kurztrip buchen, wie mir die Radiowerbung ständig suggeriert? (...)    Go

Die Geschäfte | Haute Couture in der Rigaer

Früher kamen die Menschen wie fast alle anderen Tiere mit einem Fell auf die Welt. Aber da uns im Laufe der Entwicklung die Haare ausgingen, hatten wir ziemlich schnell die Idee, uns zu bekleiden. Das wärmt nicht nur, sondern sieht auch noch besser aus. Mittlerweile ist kein-Fell bei den Menschen genetisch. Ganz im Sinne der Arterhaltung werden die meisten Menschen irgendwann Eltern, und dann heißt es, den Nachwuchs einzukleiden. Der Teil der Menschheit, der in (...)    Go

Das Trinken | Stammtisch der Dadaisten

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Die Jungen hauen schon mal mit der Faust auf den Tisch. Es kommt sogar vor, daß ein Mädchen seinen Fuß neben den Trinkbecher stellt. Auch sonst lassen Stil und Etikette noch zu wünschen übrig. Es wird gekleckert und verspritzt, gesabbert und gespuckt, fröhlich gekreischt und durcheinander gebrabbelt: Hammhamm, Attatta, Mammamm, Dada … Doch das ist kein Problem für die jungen Frauen der Babygruppe, wenn sie sich ein- oder zweimal in der Woche, meist so um die Mittagszeit, um (...)    Go

Die Orte | Ach du grüne Neune!

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Szenekneipen und -meilen, Bars, Lodges, Clubs und Locations gab es in Berlin schon vor Jahrzehnten und Jahrhunderten. Nur hießen sie einst anders: Bierpalast, Stehbierhalle, Weißbierstube, Tanzpalast oder Amüsierlokal. Und die Brauereien warben damals mit Slogans wie »Das Trinken gibt dem Deutschen Kraft. Es lebe hoch der Gerstensaft!« »In Rixdorf ist Musike« war ein Hit in jener Zeit, und den Gasparone-Walzer coverten die kessen Berliner zum Gassenhauer um: »Mutter, der Mann (...)    Go

Die Literatur | Günter Görlich: Ostkreuz umsteigen

Georg blieb in der Mitte der Oberbaumbrücke stehen und schaute auf den Fluß. Dunklen Qualm ausstoßend, näherte sich ein Schlepper, ein gelber U-Bahn-Zug rasselte über das stählerne Brückengerüst neben der steinernen Oberbaumbrücke, fuhr zur Endstation, zum Warschauer Platz. Georg blickte zurück zum Schlesischen Tor, lief dann rasch weiter zum anderen Ufer, von dem er am gestrigen Tag gekommen war. Die Polizisten in den blauen Uniformen musterten ihn wieder aufmerksam, besonders (...)    Go

Mandy Meier | Zeugungsverweigerer

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Manchmal fühlte sich Mandy zurück in alte Zeiten gebeamt. Kam sich sogar vor wie einer jener Arbeiterveteranen, die einst den Jungpionieren in der Schule vom heldenhaften Kampf gegen die bösen Kapitalisten erzählt hatten. Etwa neulich bei einer Familienfeier. Da fragten ihr erwachsener Sohn und die Tochter doch tatsächlich, wie das damals war, als sie gezeugt wurden. Wieso sie und Dieter, ihr Mann, sich so viele Kinder leisten konnten und nebenbei noch Studium, Beruf und (...)    Go

Die Blickpunkte | Die Blickpunkte

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Thomas Heubner fotografierte in der Grünberger Straße und am Stralauer und Boxhagener Platz    Go
pfeilback   
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