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Friedrichshainer Chronik
Juni 2007
Die Menschen | Ein gelebter Traum. Die Schulleiterin Heidi Antal
So richtig scheint sie nicht zur Ruhe gekommen zu sein, in den letzten vier Jahren, seitdem sie in Pension gegangen ist. So erteilt die einstige Lehrerin an drei Vormittagen in der Woche Afrikanern in Berlin Deutschunterricht, ehrenamtlich versteht sich. Oder sie kümmert sich um junge Künstler aus Amerika, die sie nicht nur mit ihren verrückten Performances begeistern, sondern mit ihrer ganzen Lebenshaltung. Und dann hat Heidi Antal oft Besuch bei sich zu Hause in der (...) Die Straßen | Franz-Mehring-Platz
Stadtplaner bezeichnen den Platz amtlich als »Lärmschneise« und meinen, der Grünzug um ihn herum sei »wenig attraktiv«. Aber in greifbarer Zukunft schon soll der Ort im Mittelpunkt einer »begrünten städtischen Promenade« stehen, die den Ostbahnhof mit der Karl-Marx-Allee verbindet. Natürlich glauben auch wir ganz fest an diese Verheißung und erinnern uns an den Betrieb, der hier herrschte, als die Stelle noch Küstriner Platz hieß, wo vor dem Krieg beispielsweise die Straßenbahn der (...) Die Reportage | Die Straße, in der ich wohne. Liebeserklärungen von Kindern
Mehr als 20.000 Kinder auf der ganzen Welt – aus Brasilien, Nikaragua, Tschechien, England und natürlich aus Deutschland – haben sich bisher an dem einzigartigen Projekt beteiligt, das der Verein kinderstrasse vor acht Jahren initiierte. Unter dem Titel »Die Straße, in der ich wohne« haben im Jahr 2000 auch 900 Friedrichshainer Kinder aus 50 Klassen in 12 Schulen ihr unmittelbares Lebensumfeld beschrieben: ihre Entdeckungen und Abenteuer des Alltags, ihre Begegnungen mit (...) Das Gespräch | Kinder, Babysitter und Tagesmütter
Aysel Kluth ist 1978 in der Türkei geboren, kam 1991 nach Berlin und lebt seit vier Jahren in Friedrichshain. Sie absolvierte eine Ausbildung als Kinderpflegerin, arbeitete als Betreuerin und studierte einige Semester Islamwissenschaft und Turkologie. Im vergangenen Jahr gründete sie in unserem geburtenfreudigen und kinderreichen Stadtbezirk die Agentur Pünktchen und vermittelt berlinweit Babysitter, Kinderbetreuung und Hauspersonal. Die Friedrichshainer Chronik sprach mit (...) Das Lernen | Coach für Liebe, Lust und Leidenschaft
Ovid war ein Kenner. »Lust, die aus Pflicht gegeben wird, ist mir nicht willkommen; eine Pflichtleistung will ich von keinem Mädchen haben. Mir gefällt es, Laute zu hören, die echte Freuden gestehen …«, schrieb der römische Dichter in seiner Ars amatoria (Die Liebeskunst). Solche Ratschläge gibt er in dem langen Lehrgedicht noch viele. Sie bestärken den Eindruck, als könne man die Liebe wie eine Kunstfertigkeit, wie ein Handwerk erlernen.
Das grandiose Mißverständnis besteht auch (...) Die Praxis | Zungenpiercing und Sondermüll
Solch ein fröhliches Gewimmel hatte Gabriele Netzband noch nie in ihren Praxisräumen erlebt: Die Knirpse waren fasziniert vom Behandlungsstuhl, dessen Lehne ganz allein vor und zurück ging, wie von einem Zauberer verhext. Neugierig steckten sie sich gegenseitig die kleinen runden Spiegel in den Mund, bestaunten die großen Gebißmodelle aus Gips und wunderten sich, wie klitzeklein ein Bohrer sein kann. Angst hatten die Steppkes aus der Kindergartengruppe nicht bei ihrem (...) Das Essen | La Pizza continua
Irgendwie erinnert mich das Lokal an der Ecke Grünberger/Gabriel-Max-Straße an meinen schönsten Italien-Urlaub – und an die Cantina Sociale in dem Städtchen in der Toskana: die schlichte, fast nüchterne Einrichtung, weiße Papiertischdecken auf den Tischen, in einer Ecke die Flaschen mit dem hausgemachten Olivenöl und dem Balsamico, und dann dieser Duft aus der Küche … Schon äußerlich ein angenehmer Unterschied zu den hippen Futter- und Getränkestützpunkten eine Querstraße weiter, (...) Die Orte | Die Stralauer Gondel
Es ist eine Binsenweisheit, daß Berlin mehr Brücken hat als Venedig. Allerdings arbeiten hier viel weniger Gondolieri, und auch die Zahl der Gondeln, die über Berliner Gewässer schippern, ist eher bescheiden. Genau genommen, gibt es nur eine. Das war nicht immer so. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts verzeichnete Berlin eine tüchtige Personenschiffahrt. So ließ Friedrich I. 1702 eine tägliche Verbindung zwischen dem Stadtschloß in Mitte und dem Schloß Charlottenburg aufnehmen. (...) Die Literatur | Erika Reichelt: Mosaiksteinchen um einen Bahnhof
Fritz wartet am Lenbachplatz auf einer der wenigen Bänke, die noch etwas von der herbstlichen Oktobersonne abbekommt, auf seine Freundin. Sie wollen nachher gemeinsam zum Sealife in die Spandauer Straße fahren. Er hat gehört, dass es dort seit drei Jahren im »Dom Aquarée« an der Karl-Liebknecht-Straße eine mit Wasser gefüllte Glasröhre, innen mit einem Fahrstuhl, gibt, von dem aus man viele bunte Zierfische beobachten kann. Er freut sich schon sehr auf diese Attraktion. (...) Mandy Meier | Kyoto am Boxi
Die Stimmung war leicht aufgekratzt, als sich Mandy und Gabi zu ihrem wöchentlichen Kaffeekränzchen in der Lounge am Boxhagener Platz trafen. Schließlich galt es die fortschrittliche Kollektiverfindung von Alice Schwarzer und Paris Hilton gebührend zu feiern: den Girlsday, der zeitlich genau zwischen Frauen- und Muttertag lag. Nach dem zweiten oder dritten Gläschen Cointreau lehnte sich Gabi wohlgemut in ihrem Korbsessel zurück und verriet Mandy, wie glücklich sie über die (...) |
















