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Friedrichshainer Chronik

Oktober 2005

Die Menschen | Die Tänzerin vom Traveplatz

Friedrichshainer Chronik
Teja hieß der letzte Ostgotenkönig, der den Römern mit seinem Heer mehrfach Mores lehrte. Leander war nach der griechischen Sage unglücklich in die schöne Priesterin Hero verliebt. Naima, die Schwiegermutter der biblischen Ruth, bedeutet »die Liebliche«. Und Sascha ist im Russischen die Verkleinerungsform von Alexander… Aber hier soll keine Namenskunde betrieben und der Reihe nach erzählt werden. Obwohl das gar nicht so einfach ist. Denn Teja, das Persönchen, das mit anmutigen (...)    Go

Die Straßen | Barnimstraße

Sogar alteingesessene Friedrichshainer müssen mitunter etwas länger überlegen, wenn sie nach der Barnimstraße gefragt werden. Denn diese liegt fast jwd, also janz weit draußen. Genau im nordwestlichen Zipfel des Stadtbezirks, am Dreiländereck von Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain, nur ein paar Meter von Volkspark und Märchenbrunnen entfernt. Nach letzterem ist auch eine Seniorenresidenz benannt, die einem gleich ins Auge fällt, wenn man von der Otto-Braun-Straße kommt, (...)    Go

Die Reportage | Vom Mehlwurm und der Rose von Jericho

Friedrichshainer Chronik
Die ältere Dame ist wie jeden Sonnabend auf den Beinen. Vor dem türkischen Gemüsehändler bleibt sie stehen. »Zehn Kiwis – für nur einen Euro!« Sie wiegt bedenklich den Kopf: »Wat soll ick noch allet jessen?« »Die sind aber schön reif und weich, viel besser als die harten!« Man wird sich handelseinig. 12 Uhr mittags purzeln die Preise. High Noon auf dem Wochenmarkt am Boxhagener Platz. Jetzt wird es hier richtig lebhaft. Die Nachbarn aus dem Kiez sondieren das Angebot, nachdem sie (...)    Go

Die Momente | Die Momente

Friedrichshainer Chronik
Pudelwohl Pergamon-Museum, Kudamm – das war noch zu verkraften. Aber was zum Teufel habe ich in Friedrichshain verloren? So mag vielleicht der Mann denken, der zu abendlicher Stunde gelangweilt durch die Wühlischstraße schlurft. Vorneweg sein halbwüchsiger Sohn, der verdrossen den Stadtplan vor die Nase hält. Dazwischen stöckelt die Gattin, die plötzlich ihren Apricot-Pudel auf den schützenden Arm nimmt. »Bei den Beißwütigen hier kann man nie wissen …«, faucht sie ihren Mann an (...)    Go

Die Geschäfte | Goldprägung, Pergament und Ziegenleder

Friedrichshainer Chronik
»Silber auf Karton wird nie etwas. Sie sollten lieber Grau nehmen!« Die Worte des Meisters klingen bestimmt, lassen keinen Zweifel aufkommen, daß dahinter jahrzehntelange Erfahrung steckt. Der Kunde nickt zum Einverständnis, nun auch davon überzeugt, daß Klaus Regel am besten weiß, wie eine vornehme Visitenkarte auszusehen hat. Nebenan rattert eine kleine Druckmaschine. Auf den Regalen stehen Eimer und Dosen mit verschiedenen Druckfarben, dazwischen Prägemuster und Papier: (...)    Go

Das Essen | Berlins beste Volksküche

Friedrichshainer Chronik
Die Wilmersdorfer haben an ihrem Kudamm die vornehme Fasanenstraße und dort das noble Ristorante Via Condotti. Staatspräsidenten, Medienstars und Unterhaltungskünstler sollen da dinieren, wo die billigste Suppe, eine Crema di pomodoro, schlappe 5,50 Euro kostet. Aber wir sind das Volk. Wir haben die Frankfurter Allee, wo Nähe U-Bahn Samariter die kleine Colbestraße abgeht. Gleich um die Ecke liegt das Kraut’s. Seit einem guten Jahr eine, nein, die Institution: Berlins beste (...)    Go

Das Trinken | Eisberg mit Geschmack

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»Reggae im Moskau« verspricht das Poster drei Meter neben mir. Auf der Straßenseite gegenüber werden exklusive Wohnungen zum Kauf feilgeboten. Gleich daneben verhöhnen verklebte und verdreckte Schaufensterscheiben seit langem den Namen des einstigen Reiseladens »Durchblick«. Um so entspannten und harmonischer geht es im Café 100Wasser zu. An der Ecke Simon-Dach-/Krossener Straße verströmt die weinrote Hausfassade angenehme Wärme. Farbtupfer bei Interieur und Innengestaltung (...)    Go

Die Orte | Seilschaften am Bunker

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Bergsteiger, kommst du in die Revaler Straße, mußt du schon etwas forschen, um den Pfad zum Basislager und dann zum Gipfel zu finden. Einen Wegweiser am und durch das Gelände des alten Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) suchst du nämlich vergeblich. Aber als Geheimtip sei dir geflüstert: Dort, wo die Simon-Dach-Straße auf die Revaler stößt, dort folge mutig den Schildern mit der Aufschrift »Cassiopeia«, »Sommergarten« oder »Skatehalle«. Um ein paar Ecken, an kraß verfallenen (...)    Go

Die Literatur | John Stave: Denkmal unter Wasser

Wir haben in Friedrichshain manches, und manches haben wir nicht. Wir haben einen Weidenweg und keine Weiden dort, wir haben einen Wiesenweg und keine Wiese in der Nähe, wir haben einen Hochbahnhof und keine Hochbahn. Und wir haben eine Tunnelstraße und keinen Tunnel. Die Wiesen hatten wir bis Anfang 1870, die Weiden hatten wir bis Ende 1888, den Tunnel bis Frühjahr 1945 und die Hochbahn bis Herbst 1961. Der Hochbahnhof, 1902 eröffnet, ist noch tadellos erhalten und steht (...)    Go

Mandy Meier | Der Racheakt

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»Du spinnst wohl, Schnuggimaus!« hatte Dieter, ihr Mann, sie angeraunzt, worauf sie natürlich tief beleidigt war und blutige Rache schwor. Mandy Meier war vor allem deshalb eingeschnappt, weil ihr Mann sonst fast nie widersprach. Sie führten seit über einem Vierteljahrhundert eine gute, ja harmonische Ehe. Auch die beiden Kinder, mittlerweile aus dem Haus, waren ordentlich geraten. Zwischen ihr und Dieter gibt es gerechte Arbeitsteilung, sie sind ein eingespieltes (...)    Go
pfeilback   
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