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Friedrichshainer Chronik
Februar 2007
Die Menschen | Ein Gott zu sein ist schwer. Lona – eine DJ aus Riga
Es ist schlicht, fast spartanisch eingerichtet, das Zimmer in der WG nahe des Traveplatzes. Holzdielen, Liege, Schränkchen, zwei kleine Sessel, ein flacher Beistelltisch, Bücherregal. Darin ordentlich aneinandergereiht Buch an Buch, kyrillische Buchstaben auf dem Rücken: »Ja i on« steht auf einem, das ist russisch und heißt »Das Ich und das Es«, 1923 geschrieben von Sigmund Freud. Daneben Dostojewski und Tschechow, darunter von Arkadi und Boris Strugazki »Trudno bijt bogim« – (...) Die Straßen | Tamara-Danz-Straße
»Gib mir Asyl hier im Paradies / Hier kann mir keiner was tun …« Ob sie an dieser Stelle ihr Asyl gefunden hat, ist ungewiß. Ausgerechnet gegenüber dem Mauerrest namens East Side Gallery, Ecke Mühlenstraße, wo auf dem Areal des Großinvestors Anschutz bald Entertainment und Events toben werden. Hier, auf der Brache zwischen altem Postbahnhof und Warschauer Brücke, wurden im vergangen November gleich sieben neue Straßen nach Frauen benannt. Den größten Rummel gab es bei der (...) Die Reportage | Alles Bio oder was? Zeitgeist und Kiezidylle
»Bio bedeutet auch Handarbeit.« Der 40jährige Bäcker und Konditor mit den kurz geschorenen Haaren und der modisch-schmalen Brille wirkt recht selbstbewußt. Mit einem stolzen Lächeln berichtet er von der Herstellung seiner Backwaren: »In unserem Hauptsitz in Neukölln ist die Produktion noch Handwerk.« Ludwig Schmitz trägt die Verantwortung für die selbstverwaltete Vollkornbäckerei Mehlwurm in der Niederbarnimstraße. »Im kommenden Mai gibt es unsere Filiale seit drei Jahren.« Im (...) Die Historie | Wie der Stahl gehärtet wurde. Erinnerungen an das RAW
Das einstige Reichsbahnausbesserungswerk »Franz Stenzer« an der Revaler Straße wurde 1867 als Königliche Eisenbahnwerkstatt Berlin II gegründet und zählte einst über 1000 Mitarbeiter. Es faszinierte den Fotografen Michael Harms (www.kunst-raum.de) so stark, daß er mit einem öffentlichen Aufruf Zeitzeugen suchte, Motto: »Erinnern was war«. Viele, die hier gelernt und gearbeitet hatten, meldeten sich und gaben ihm Auskunft. Wir veröffentlichen exklusiv Auszüge aus den (...) Das Essen | Von Schmarren und Blumen
Der nördliche Teil der Simon-Dach- heißt Niederbarnimstraße. Für Menschen, die in der Friedrichshainer Lottergrube Sehnsucht nach höflichem Service und vorzüglicher Küche, eben purem Genuß haben, gibt es hier eine neue Entdeckung zu machen: das Germers, auf wohltuende Weise ohne Häkchen geschrieben.
Als es uns in das erst kürzlich eröffneten Restaurant zieht, sind wir die einzigen Gäste. Das liegt daran, daß wir am späten Nachmittag hier sind. Im Hintergrund läuft für diese Gegend (...) Die Orte | Die Gedenktafel
Die Handschrift des Architekten Alfred Grenander ist unverkennbar: sachlicher Stil, grüne Fliesen und rote Stützpfeiler als Kennfarben, die diese Station der U-Bahnlinie 5 sowohl von dem davor als auch von dem dahinter liegenden Bahnhof unterscheidet. Am 21. Dezember 1930 in Betrieb genommen, steht der Bahnhof heute unter Denkmalschutz.
Um den U-Bahnhof Samariterstraße ist einiges los. Die Leute tummeln sich auf beiden Seiten der Frankfurter Allee, besuchen Geschäfte, (...) Die Literatur | Erwin Strittmatter: Der alte Holländer
Wer weiß, wann er nach Berlin kam, der alte Holländer. Vor zehn Jahren betrieb er in der Boxhagener Straße einen sogenannten Grünkramladen. Das Geschäft lief unter dem Namen seiner Frau. Er schaffte die Waren heran, sorgte für Gemüse- und Obstnachschub im Laden und hatte es sprachlich bis zu jenem Deutsch gebracht, das man an der Aachener Grenze spricht. Er ging und geht immer noch in holländischen Klompen (Holzschuhen oder Oderkähnen). Ich sah ihn nie, auch wenn er einen (...) Mandy Meier | Leckere Soft Skills
Seitdem Mandys Mann vom Jobcenter verwaltungstechnisch liebevoll betreut wurde, kam er ihr irgendwie so zart und kuschelig vor. In treuherziger Biederkeit hatte Dieter 143 Bewerbungen geschrieben und verschickt. Darin stets ein unorthodox angeschnittenes Bewerbungsfoto und die Soft Skills ganz vorn in der Mappe präsentiert. Also die »weichen Fähigkeiten« wie zum Beispiel emotionale Intelligenz und Führungsstärke. Doch in Zeiten des gefühlten Wirtschaftsaufschwungs wollte (...) |














