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Friedrichshainer Chronik

April 2006

Die Menschen | Diva und Statistin: Die Künstlerin Agnes Friedrich

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Der Trommler trommelt. Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm. Doch er hämmert auf sein Instrument genau im Zimmer oben drüber. Die junge blonde Frau scheint es nicht sonderlich zu stören. Sie ist härteres gewöhnt. Beispielsweise wenn hier, im eigenen Wohnzimmer, eine Vernissage stattfindet und die Band testet, was andere Bürger unter Zimmerlautstärke verstehen. Oder vor fünf Jahren. Da wohnte Agnes an der Ecke Krossener/Simon-Dach-Straße, genau über Paule’s Metal Eck. Eine (...)    Go

Die Straßen | Die Gryphiusstraße

Schöngeister könnten durchaus geneigt sein, von einem Friedrichshainer Künstlerviertel zu schwärmen. Gibt es hier doch in direkter Nachbarschaft Straßen, die nach Malern wie Böcklin und Lenbach und Dichtern wie Seume, Simon Dach oder eben Andreas Gryphius benannt sind. Allein der bunte Federschmuck macht noch keinen fetten Hahn, der Alltag im Kiez erinnert vor allem an Regentagen noch ein wenig an Bonjour tristesse. Auch die zwei, drei Galerien in der Gryphiusstraße können (...)    Go

Die Reportage | Wie lange dauert die Erde?

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»Tack, tack, tack ...« Wie aus einem Maschinengewehr kommen die kurzen abgehackten Silben aus ihrem Mund, wenn sie über den langen Flur wandelt und sich dabei auf dem Handlauf an der Wand abstützt. Nur wenn Erna Nowack* jemand entgegenkommt, bleibt sie stehen. Dann schaut die 83jährige flüchtig auf, überlegt angestrengt, preßt ein unwirsches »Tach!« hervor und schlurft unbekümmert weiter. Horst Blütner dagegen ist erst 71 und noch viel besser zu Fuß. Auch er schreitet gern den Gang (...)    Go

Die Geschäfte | Speedbike und Gesundheitslenker

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Die Boeing 747, also das übergroße Poster, welches das Flugzeug detailliert und im Querschnitt zeigt, hängt nicht vorn im Verkaufsraum, sondern hinten in der Werkstatt. Eine vertrauensbildende Maßnahme ist es allemal: Denn wer sich bei der Reparatur von Flugzeugen auskennt, dürfte bei der von Fahrrädern vermutlich gar keine Probleme haben. Für den 44jährigen Joachim Cronauer ist es aber vor allem ein Stück Erinnerung an seinen einstigen Beruf. Schließlich hat sich der studierte (...)    Go

Das Gespräch | Herzlutschen – Szenen einer Begegnung

Joost Renders wurde 1962 im holländischen Eindhoven geboren, wo es vor allem Philips gibt und Fußball als Religion. Als er neun Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Südtirol, anschließend nach Düsseldorf. Die damalige Punk-Szene dort prägte ihn, natürlich spielte er in einer Band. Dennoch studierte er Schauspiel, stand anschließend in mehreren Provinztheatern auf der Bühne, kam über Dinslaken, Nordhausen und Cottbus nach Berlin. Nebenbei begann er Drehbücher zu schreiben (...)    Go

Das Essen | Ricotta-Walnußbällchen aus Piemont

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Wir sind verreist. Eigentlich sind wir ja nur um die Ecke gegangen, aber wenn ich die Augen schließe, erinnert mich das melodisch laute Brummen der Kühlschränke an die herrlich geschmacklos inszenierten kleinen Eßlokale rund um bunte, duftende Mittelmeermärkte. Wenn ich aber die Augen öffne, befinde ich mich mitten in der Schreinerstraße. Mir gegenüber sitzt meine Begleiterin mit geschlossenen Augen. Ich hole sie sanft von ihrer Reise zurück. Wir sind uns beide einig: Nichts in (...)    Go

Die Orte | Ein UFO unter Zuckerbäckerbauten

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Alles schien möglich damals, die Sterne zum Greifen nah. Schließlich waren die Himmelsstürmer Juri Gagarin und German Titow schon in einem Raumschiff ins Weltall geflogen. Warum also im Jahr 1962 das neue Kino in der Karl-Marx-Allee nicht zeitgemäß Kosmos nennen? Das imposante Gebäude mit seiner ovalen Form und hellen Keramik-Glas-Verkleidung war vom Architekten Josef Kaiser, der bereits auch das Café Moskau im vorderen Teil der Allee entworfen hatte, in Zusammenarbeit mit (...)    Go

Das Trinken | Art Deco am Pilgerweg

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Plopp, der Korken wird geräuschvoll aus der Flasche gezogen. Tiefrot, fast schwarz fließt der Wein in unsere Gläser. Pflichtgemäß lassen wir ihn noch etwas atmen. »Einen schweren samtigen Wein« hat er uns versprochen, »mit Cassisbouquet« – und in der Tat macht sich intensiver Johannisbeerduft unter unseren Nasen breit. Nach dem ersten prüfenden Schluck stellen wir verblüfft fest, daß der Geschmack des Weines das hält, was er der Nase verspricht, Johannisbeeren auch für die Zungen. (...)    Go

Die Literatur | Joost Renders: Ist ja richtig angesagt!

Straße in Friedrichshain/Tag Karla schlurft, völlig neben sich stehend, eine Straße entlang. Guido (aus dem Off): Karla? Karla Schluthe? Karla dreht sich um und sieht Guido (Mitte/Ende Dreißig, smart). Er hält Babette (die junge Frau, die Karlas Wohnung besichtigte) im Arm. Karla registriert sie kurz. Karla (überrascht): Guido? Guido: Bistes doch! Na, was dein Styling angeht, haste dich ja null verändert! Wir haben uns ja ewig nicht mehr gesehen. Wie lange ist das her? (...)    Go

Mandy Meier | Urbi et orbi und die Gretchenfrage

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Manche Dinge konnte Gabi Krüger, Mandys beste Freundin, auch nicht richtig erklären. Obwohl sie Abitur hatte und katholisch aufgewachsen worden war, wie sie immer sagte. Beispielsweise warum es so viele Weihnachts- und so wenige Osterlieder gibt. Warum Weihnachtsgeschenke am Heiligabend nicht wie Ostereier versteckt werden oder warum sich die Bürger zwar einen Weihnachts-, aber keinen Osterbaum ins Wohnzimmer stellen. Bis vor kurzem dachte Mandy auch, die Gretchenfrage ist (...)    Go

Die Blickpunkte | Die Blickpunkte

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Thomas Heubner fotografierte vor und im Kosmos    Go
pfeilback   
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