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Friedrichshainer Chronik
Die Straßen
Dezember 2010 | Palisadenstraße
Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) war kein einfältiger, tumber Kommißkopp, sondern ein weitsichtiger Monarch, der sein Preußen durchaus mit politischem und ökonomischem Sachverstand regierte. So sah er schon recht frühzeitig das wirtschaftliche und Bevölkerungswachstum von Berlin voraus, das die alten Stadtmauern bald sprengen würde. Also ließ er eine neue Akzisemauer errichten, im wesentlichen zwischen 1734 und 1737. Die Umwehrung bestand vor allem im Norden (...) Juli 2010 | Kopernikusstraße
Eine Grenze trennt den West- vom Ostteil. Doch an der Demarkationslinie Warschauer Straße wird nicht scharf geschossen, sondern nur gnadenlos gerast. Den tobenden Straßenverkehr sollte der Stadtwanderer trotzdem respektvoll beachten, wenn er von der einen Seite der Kopernikusstraße auf die andere will.
Etwa von der beschaulichen in die lebhafte Hälfte, den Comeniusplatz im Rücken, wo vor 100 Jahren, an der Ecke Gubener Straße, der Wirt Paul Münnich seine Gubener Hütte (...) Juni 2010 | Paul-und-Paula-Ufer
Den Eingang zur Bucht, noch in Friedrichshainer Hoheitsgewässern, bewachen Liebesinsel und Kratzbruch. Der Graureiher schwebt über dem Wasser, ein Windhauch kräuselt kleine Wellen. Es herrscht friedvolle Stille auf dem Rummelsburger See.
Die vormalige Stralauer Bucht wurde in Rummelsburger Bucht umgetauft, nachdem der Weinhändler Johann Jakob Rummel 1720 die alte Meierei gekauft und in ein Wirthaus umgewandelt hatte, das er Rummelsburg nannte und das bei der Bevölkerung (...) Mai 2010 | Lenbachstraße
Sie als Schmuckkästchen zu bezeichnen, wäre gewiß eine Übertreibung, aber herausgeputzt hat sie sich tatsächlich in den letzten Jahren. Viele Häuser wurden saniert, manch Baulücke geschlossen. Die Langeweile ist vertrieben, Leben eingezogen. Dafür sorgen ein Waschsalon und ein Reisebüro, mehrere Cafés und Kneipen, ein vietnamesisches Restaurant, ein Geschäft für zauberhafte Spitzen-Dessous, ein Schmuckladen, in dem man seine eigene Perlenkette basteln kann, und nicht zuletzt das (...) April 2010 | Caroline-Herschel-Platz
Fast hundert Jahre war der Platz so unscheinbar, daß die Stadtverwalter gar nicht auf die Idee kamen, ihm einen Namen zu verpassen. Nur die Bewohner nannten ihn »Dreiecksplatz«, jene kleine Insel, wo Wühlisch- und Boxhagener Straße im spitzen Winkel aufeinander treffen. Etwa an der Stelle, wo gegenüber, in der Boxhagener Straße, noch in den 20er Jahren der Alte Kirchhof stand, später das Arbeitsamt und zu DDR-Zeiten das Gummiwerk. Erst vor fünf Jahren, im Rahmen der (...) März 2010 | Helen-Ernst-Straße
Selbst eingefleischte Friedrichshainer zucken ahnungslos mit der Schulter, fragt man sie nach der Helen-Ernst-Straße. Das ist auch kein Wunder, denn diese Wegführung gibt es noch nicht einmal seit vier Jahren.
Sie beginnt hinter dem Ost- bzw. dem einstigen Postbahnhof und verläuft parallel zum Bahnviadukt bis unter die Warschauer Brücke. Es existiert dort kein einziges Wohn- oder Geschäftshaus, das diese Adresse trägt, abgesehen von einem riesigen Klops aus Beton und Glas. (...) Februar 2010 | Bänschstraße
Diese Straße gehört zu jenen, durch die sich keine Touristen Schulter an Schulter schieben. Sie ist ein beredtes Beispiel dafür, daß es in Berlin auch beschauliche Ecken gibt, die sich ihren Charme über die Jahre bewahrt haben. Die Bänschstraße ist ein verstecktes Kleinod, in einer Wohngegend mit typischem Kiezcharakter. In den letzten fünfzehn Jahren war es allerdings in der einen oder anderen Häuserzeile oder in so manchem Eckhaus recht laut, weil die Häuser saniert und (...) November 2009 | Am Oberbaum
Von Arbeitern war nicht die Rede. Aber Arnold und Wilhelm von Siemens weilten höchstpersönlich vor Ort, sodann die Herren vom Aufsichtsrat der Firma Siemens & Halske AG, Direktoren, Staatsminister a. D. James Hobrecht, insgesamt etwa 200 Personen. Nur »eine große Zahl der preußischen Minister und der Staatssekretäre, auch der Reichskanzler« waren leider »durch parlamentarische und andere Arbeiten verhindert, an der Fahrt theilzunehmen. Sie hatten ihr Interesse an der Sache (...) Oktober 2009 | Dossestraße
Zugegeben, es gibt bekanntere, auffälligere und größere Straßen in Friedrichshain. Die Dossestraße, zwischen Traveplatz und Ostkreuz gelegen, versteckt sich ein bißchen am östlichen Rand des Bezirks. Sie ist insgesamt noch nicht einmal 300 Meter lang, geht von der Oderstraße ab und biegt im rechten Winkel in die Gürtelstraße. Besondere Bauwerke, Betriebe, Geschäfte oder Lokale sind hier nicht zu finden, die Mietshäuser haben keine Quergebäude, anstelle von Hinterhöfen gibt es (...) September 2009 | Knorrpromenade
Traumwohnungen im attraktiven Altbau werden angepriesen, in einer der schönsten Wohnstraßen Friedrichhains. Mit Parkett und nagelneuen Dielen, Stuckdecken, modernisiertem Bad, Sonnenbalkon, Fahrstuhl, kaum eine unter 100 Quadtratmetern und 1.000 Euro Monatsmiete. Trotz des Preises müssen sich die Immobilienhändler keine Sorgen machen, die Wohnungen nicht vermieten zu können. Und auch die Superlative, mit denen gern geworben wird, sind in diesem Fall nicht übertrieben. Denn (...) |

















