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Friedrichshainer Chronik
Die Orte
Dezember 2010 | Das erste Haus am Platz
Langes Handtuch wurde es vom Friedrichshainer Volksmund genannt, das Elektra-Theater in der Warschauer Straße 26. Eines der ältesten Kinos im Berliner Osten, dessen erster Betreiber Carl Gabriel war, ein bekannter Schausteller, der sich auf dem Münchener Oktoberfest mit »Exotenshows« und dem »Hippodrom« einen Namen gemacht hatte. Von 1907 bis 1963 liefen im Elektra Filme wie »Die Geheimnisse von Berlin« oder »Die Herrin des Nils«, es gab 164 Sitzplätze, darunter Loge und (...) Juli 2010 | Rotkäppchen und die anderen
Der Zwerg, der bei ihr auf dem Schoß sitzt, soll die unverwechselbaren Züge des Malers Adolf Menzel tragen, einschließlich Bartkrause und Brille. Schneewittchen selbst ist am rechten Oberarm tätowiert, also schon wieder von Kulturbanausen mit Graffiti verziert worden. Ähnlich war das bereits 1931, als Schuljungen die Figuren demoliert, oder in den 90er Jahren, als Vandalen den beliebten Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain verunstaltet und verwüstet hatten, bevor er von (...) Juni 2010 | Gute Musik auf dem Mont Klamott
Romantisch ist es, hier oben auf der höchsten Erhebung Friedrichshains. Eine Oase im Grünen, hoch über der Stadt, unten im Tal die Häuser und der Straßenlärm, wie in einen Watteschleier gehüllt. Doch die friedliche Idylle trügt.
Der Große Bunkerberg im Volkspark, vom Volksmund fast liebevoll Mont Klamott genannt, überragt zwar mit seinen 78 Metern Höhe sogar den Kreuzberg um 12 Meter, entstand aber sprichwörtlich auf den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. 1940 hatte man mit dem Bau (...) Mai 2010 | Nachbarn statt Inspektoren
Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, im Zuge der heftig umstrittenen Bildungsreform auch daran zu denken, an den Schulen und Gymnasien wieder Wohnungen für die Direktoren und Rektoren, zumindest für Lehrer und Hausmeister einzurichten. Das war vor Jahrzehnten in Berlin nämlich durchaus üblich und hatte vermutlich seinen Sinn, wie beispielsweise an der Emanuel-Lasker-Oberschule an der Ecke Modersohn-/Corinthstraße noch heute zu sehen ist.
Die Schule wurde als (...) April 2010 | Nur in Begleitung von Kindern (II)
Zu dem im März-Heft veröffentlichten Artikel über das ehemalige Haus des Kindes am Strausberger Platz erreichten uns zahlreiche Leserzuschriften. Aus dem Für und Wider drucken wir an dieser Stelle Auszüge nach.
Und ewig tobt der Klassenkampf
Die Wortwahl des Autors ist diesem natürlich unbenommen, zeugt jedoch davon, dass man wieder einmal gerne das Rad der Geschichte zurückdrehen und den Lauf der Dinge aufhalten möchte ohne sich anscheinend darüber Gedanken zu machen, (...) März 2010 | Nur in Begleitung von Kindern
Einen Tag nach den Volkskammerwahlen, am 18. Oktober 1954, wurde der imposante Bau am Strausberger Platz feierlich eröffnet, von keinem Geringerem als Wilhelm Pieck, dem Präsidenten der DDR: das Haus des Kindes. Mit seinem Ebenbild gegenüber, dem Haus Berlin, bildet es das Eingangstor zur Karl-Marx-Allee, damals Stalinallee, deren erster Bauabschnitt damit abgeschlossen wurde. Anders als die übrigen Gebäude des Prachtboulevards, die in traditioneller Ziegelbauweise errichtet (...) Februar 2010 | Ein Haus für Bürger
Stiefelt man vom S-Bahnhof Frankfurter Allee die Pettenkofer Straße hoch, erreicht man schnell den Schleidenplatz. Dort angekommen, richtet sich der Blick auf eine riesige blaue Plane, weiß beschriftet und bunt bemalt. Dahinter verbirgt sich ein Gebäude, das seine noch vorhandenen Wunden nicht preisgeben will. Es scheint das letzte Haus zu sein, das im Sanierungsgebiet Samariterviertel noch in Ordnung gebracht und ausgebaut werden muß. Und es ist wahrscheinlich auch das (...) November 2009 | Mauer, Zoll und Steuern
»Am Stralauertor stand das Wiesenwasser so dicht an der Stadtmauer, dass kein Weg aussen, auch nicht an der inneren Seite möglich war. Der Weg ging deshalb nun durch die Mühlenstraße in die zum Teil ungepflasterte Fruchtstraße. Auf einer Stelle lagen Bohlen über einem die Straße kreuzenden Wiesengraben, der …, die Stadtmauer mittels einer mit Eisenstäben vergitterten Öffnung durchbrechend, die Wiesen innerhalb der Stadtmauer be- und entwässerte.« So berichtete im Frühjahr 1840 ein (...) Oktober 2009 | Das Hochhaus an der Weberwiese
»Der Weiße Schwan, der aufsteigt aus den Trümmern Berlins«, so beschrieb Architekt Hermann Henselmann das von ihm konzipierte Hochhaus an der Weberwiese, das Anfang der 50er Jahre auf einem Trümmergrundstück nahe des einstigen Komtureiplatzes erbaut wurde.
Wenige Monate zuvor war er nicht so euphorisch gewesen, nachdem die SED-Führung 1950 ihre »16 Grundsätze des sozialistischen Städtebaus« verkündet und Henselmann und andere Architekten für ihre Entwürfe heftig kritisiert hatte. (...) September 2009 | Knochenmühle am Ostkreuz
Es kam alles zusammen: die richtigen Leute zur richtigen Zeit am rechten Platz. Dank Eisenbahn, Maschinenbau und Konjunktur übersprang die metallverarbeitende Industrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Stadtgrenzen im Berliner Osten und ließ sich auch auf dem Terrain von Rummelsburg, Lichtenberg und Treptow nieder. Dort waren die Bodenpreise noch niedrig, die Grundstücke meist nicht parzelliert sowie an die Kanalisation angeschlossen. Zugleich war der tüchtige Techniker, (...) |

















