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Friedrichshainer Chronik
Die Geschäfte
Juni 2010 | Krabbelkurs mit Milchkaffee
Clemens hat das bunte Spielzeughandy erobert, Fiona fährt im Puppenwagen erst einmal ihren Teddy spazieren, und Maximilian greift sich seine Nuckelflasche, legt sich auf die Sitzbank und trinkt in aller Seelenruhe. Seine Mama neben ihm knabbert an einer Focaccia, einem mit Lachs und Frischkäse bestrichenen kleinem Fladenbrot, die anderen jungen Frauen am Tisch genehmigen sich zum zweiten Frühstück ein Bagel oder New Yorker Käse-Sahne-Kuchen und trinken Caro-Milchkaffee. Paul (...) Mai 2010 | Szenefrisuren mit Pfiff
Laura und Christian bleiben in der Eingangstür des Salons stehen und fragen, ob sie gleich einen Termin bekommen könnten. Nicht sofort, aber in einer Stunde könne er sie drannehmen, bescheidet ihnen der Meister. »Und Sie schneiden auch selbst, ich werde nämlich gern von Männern geschnitten«, will die junge Frau noch wissen, worauf sie ein »Selbstverständlich« zur Antwort erhält und zufrieden lächelnd abrückt.
Laufkundschaft, Neukunden – für Moritz Ansin alltägliche Normalität, wie (...) Mai 2010 | Gelebte Gesichter
Die Plastiken im Raum sind anmutig und dürfen dennoch angefaßt werden. An den Wänden sind Grafiken und Bilder in kräftigen Farben oder zartem Pastell zu bewundern, und sogar die Paravents sind stilvoll verziert. Doch die Kunstgegenstände stehen in keiner Galerie, sondern in einem Kosmetikstudio. In dem von Franka Leister, die vor genau einem Jahr in der Grünberger Straße ihren Schönheitssalon eröffnete. Die Einrichtung zeugt sowohl vom Geschmack als auch vom Hobby der Chefin, die (...) April 2010 | Sparen, spritzen und tanken
Der Student im Kapuzenshirt grüßt freundlich beim Eintreten und kramt aus seinem Rucksack eine leere Druckerpatrone. »Die Schutzkappe haben Sie wohl verbummelt? Schon ein winziger Krümel kann den Druckerkopf ruinieren!«, meint die Frau hinter dem kleinen Verkaufstresen. In ihrer Stimme schwingt kein Vorwurf, sie spricht mehr scherzhaft und liebevoll. Nach fünf Minuten hat sie die Patrone wieder mit schwarzer Tinte befüllt, für sechs Euro. »Die Kunden kommen ja immer mit (...) März 2010 | Fundgrube für Experten
Exakt nach dem Statik-Lehrbuch habe er damals die Berechnungen gemacht für den Neubau, unweit seiner eigenen Wohnung am Strausberger Platz, hätte der pensionierte Bauingenieur erzählt und dabei liebevoll über den alten Bucheinband gestrichen. Ihm sei es sichtlich schwergefallen, sich von seiner kleinen Privatbibliothek zu trennen, weil in den Büchern auch Lebenserinnerungen steckten.
So berichtet es Reinmar Schott, für den solche Begegnungen mit Büchern und Menschen Alltag (...) September 2009 | Ein exquisiter Laden
Ausgefallene Kleidung und engagierte Beratung gesucht? Das ist heutzutage nicht einfach zu finden. Massengeschmack, Massengeschäfte und genormte Massenware dominieren. Aber es gibt sie noch, die einsamen Inseln, auf denen das Angebot mit Liebe und Sorgfalt zusammengestellt wird. So das Modeinstitut in der Samariterstraße.
Geführt wird der kleine Laden von Daniela Wisotzky, 36, was sicher kein Zufall ist. Ihre Mutter war Schneiderin, und so konnte sie sich schon als kleines (...) Juli 2009 | Seelsorge mit Bürobedarf
Die 13 gilt vielerorts als Unglückszahl. Manchmal wird deshalb in Hotels auf ein Zimmer Nr. 13 verzichtet, in Flugzeugen auf die Reihe 13, in Hochhäusern »fehlt« der 13. Stock, und am Freitag, dem 13., sollte man lieber im Bett bleiben. Nicht so in der Straßmannstraße. Wer im Haus Nr. 13 den Schreibwarenladen betritt, steht sogar auf geschichtsträchtigem Boden.
Schon vor rund 90 Jahren gab es hier Papierkram und Schreibutensilien zu kaufen, im Geschäft der Familie Adam, die (...) Juni 2009 | Süße Sünde
Manchmal muß man einen kleinen Umweg nehmen. Beispielsweise über die winzige Karibikinsel Dominica sowie Paris und Brüssel und etwa so wie Gerald und Angela Berger. Die beiden hatten nämlich vor ungefähr zwei Jahren auf dem Inselchen Urlaub gemacht, wo sie sich zwischen Hochseeangeln und Schnorcheln im türkisfarbenen Wasser in einem kleinen Hotel vom Chef und Koch des Hauses kulinarisch verwöhnen ließen. Der war Belgier und zauberte mit tropischen Früchten, Kakao und Schokolade (...) Mai 2009 | Schädel statt Sterne
Alles fing vorm Störtebäcker in der Revaler Straße an, wo es neben vorzüglichem portugiesischem Gebäck auch noch ganztägige kostenlose Besonnung vor der Tür gibt und die Bedienung den Kunden manchmal schon am Morgen fragt: »Wie immer – ’n Kurzer und ’n Bier?« Dort saßen drei junge Männer, genossen wie so oft ihren Kaffee, beobachteten belustigt die Heerscharen von Touris, die mit Ruck- und Schlafsäcken beladen durch den Szenekiez hetzten, immer wieder vor dem Cafétisch stehenblieben (...) April 2009 | Latte Macchiato im Fotostudio
Große dunkle Kinderaugen schauen den Betrachter von den Wänden an. Die großformatigen Schwarzweißbilder sind Blickfang in dem hellen Geschäft. Die Fotos machte Thomas Hausstein vor ein paar Jahren in Südafrika. Momentaufnahmen, Alltags- und Straßenszenen, die zugleich eine Handschrift verraten, Haltung und Sichtweise. Und wie zur Bestätigung erklärt Hausstein, daß zu seinen Vorbildern unter den großen Fotografen Thomas Billhardt gehört, dessen Reportagefotos aus Vietnam oder (...) |


















