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Friedrichshainer Chronik

Das Trinken

Dezember 2010 | Schöne Schweinerei

Dezember 2010
Jeden Augenblick könnte Franz Bieberkopf reinkommen, von gegen­über, gleich nach der Schicht. So, wie vor hundert Jahren die Männer in diese Destille an der Ecke kamen, bei Molle und Korn ihr Geld versoffen und Soleier, Brathering oder Löffelerbsen futterten, wenn es im Zentralvieh- und Schlachthof an der Eldenaer Straße Lohn gegeben hatte. So, wie zu DDR-Zeiten die Werktätigen vom VEB Fleischkombinat Berlin hier ihre Prämien als »Kollektiv der sozialistischen Arbeit« auf den (...)    Go

Juni 2010 | Vorhof zur Hölle

Juni 2010
Draußen, über der Pforte, wachen zwei Höllenhunde. Und drin­nen, gleich beim Eintritt, gibt’s was auf die Ohren. Zum Glück nicht vom Muskelprotz, der über der Tür seine mächtigen Arme ausbreitet, sondern aus den Boxen. Die Mugge dröhnt, ist hart und stampfend. Von Metallica, gefolgt von Black Sabbath, wie mich Kumpel Jan aufklärt und auf die Großbildleinwand und die Flachbildschirme zeigt, auf denen Musikvideos die Beschallung illustrieren. Der gute alte Freund kennt sich aus, (...)    Go

November 2009 | Wundertäter und Bio-Bier

November 2009
Charly Marx hätte sich hier auch wohlgefühlt. Der große Denker, der »bookworming«, das Wühlen in Büchern, einst als seine Lieblingsbeschäftigung nannte. Klar, er würde vor dem Café in den roten Bücherkisten kramen, drinnen zwischen den Bücherregalen stöbern und sich gewiß ein Plätzchen suchen, um in Ruhe zu schmökern. Wie heute die Oma und der Punk, die nach Lektüre forschen, wie die Studentin, die es sich auf der breiten Fensterbank bequem gemacht hat und liest. Im Tasso auf der (...)    Go

Oktober 2009 | George Clooney bei Comenius

Oktober 2009
Sie habe den lieben langen Tag nur blöde Daten ins System eingeben müssen, stöhnt die junge blonde Frau, saugt gierig an ihrer Zigarette und trinkt das Alster fast in einem Zug aus. Der Mann an ihrem Tisch nickt verständnisvoll, zieht sein dunkles Jackett aus und lockert den Schlipsknoten. Beide arbeiten im Eckhaus am Comeniusplatz, er beim Finanzdienstleiter, sie bei einer Versicherung. Marina und Charly sind auch wieder da, sitzen am Tisch dahinter und nippen an ihrem (...)    Go

Juli 2009 | Eine Institution

Juli 2009
Meist beginnt alles erst nachts um halb Zwölf, egal ob es nun wochentags oder samstags ist. Die Bewohner rund um die Samariterstraße scheinen nicht zu schlafen, ihre Zeit fängt da an, wo das arbeitende Volk sein Tagwerk beendet. Aber was heißt Arbeit? Arbeiten tun sie alle, irgendwie, irgendwo. Da ist zum Beispiel der Physiker Karl, der seit der »Wende« arbeitslos ist, der früher in einem physikalischen Institut gearbeitet hat. Er hat sich aufgemacht, die Schönheiten der Mark (...)    Go

Juni 2009 | Pils, Pins und der Papst

Juni 2009
»Niemand nennt mich Lebowski. Ihr habt den falschen, ich bin der Dude, Mann! Dein Name ist Lebowski, Lebowski. Und deine Frau heißt Bunny. Meine Frau … meine Frau … Bunny? Siehst du hier irgendwo einen Ehering an meinem Finger? Sieht die bekackte Wohnung aus als wäre ich verheiratet? Der Toilettensitz ist hochgeklappt!« Der Toilettensitz war in der Tat hochgeklappt, und den obigen Dialog vernahm ich wortwörtlich. O-Töne aus dem Kultfilm The Big Lebowski als unterhaltsame (...)    Go

Mai 2009 | Winzer, Weine und die Kunst

Mai 2009
Altenburg ist nicht unbedingt als Hochburg des deutschen Weinanbaus bekannt, vielmehr als Ort eines historischen Prinzenraubs und als traditionsreiche Produktionsstätte von Skatkarten, wo es außerdem ein schmuckes kleines Theater gibt. So ist vielleicht auch zu erklären, weshalb Arndt Rehländer erst über Umwege in die Niederbarnimstraße, Ecke Frankfurter Allee kam, um hier im Dezember 2005 seinen Weinladen zu eröffnen: über seine Heimatstadt in Ostthüringen, ein Studium der (...)    Go

Februar 2009 | Seelenwanderung

Februar 2009
Karma, so erklärt mir mein Philosophisches Wörterbuch von 1922, ist »im buddhistischen Denken der Schatz der guten und bösen Taten eines Menschen, die dessen Sein, Wesensart und Schicksal in seiner Wiedergeburt bestimmen«. Ich hatte extra im Nachschlagewerk geblättert, weil ich als trainierter Atheist so meine Zweifel an der Geschichte mit der Seelenwanderung habe. Dennoch bin ich mir ziemlich sicher, daß es im Kiez ein gutes Karma gibt – und zwar das coffee karma in der (...)    Go

Dezember 2008 | Vornehmer Abgang

Dezember 2008
Weinproben hatte sie schon miterlebt, Bierproben auch. Aber einer Whisky-Probe stand meine treuherzige Begleiterin äußerst skeptisch gegenüber. Nur mit Mühe konnte ich sie davon überzeugen, daß es sich dabei mit­nichten um ein gemeines Besäufnis handeln würde, sondern um ein unvergeßliches Kulturerlebnis. »Sei kein Frosch!« sagte ich einfach und zog mit ihr in die Sonntagstraße. Eine Turnhalle links liegen lassend, gegenüber der zu Luxuswohnungen umgebauten Max-Kreuziger-Schule, (...)    Go

November 2008 | Tom & Jerry auf Abwegen

November 2008
»I am the little red rooster – Too lazy to crow for day«, so beginnt der Blues von Willie Dixon, den später auch die Rolling Stones coverten. Möglich, daß für die Bar in der Grünberger Straße von diesem Song der Name abgeleitet wurde, für den die Mitarbeiter vor gut drei Jahren sogar abstimmten. Seitdem macht der rote Hahn schon am Eingangsschild auf sich aufmerksam, und seit dieser Zeit dominiert auch das kräftige Rot an den Wänden im Innenbereich. Ein altes Sprichwort sagt »Der (...)    Go

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