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Friedrichshainer Chronik

Das Lernen

Juli 2010 | Barfuß und im Hosenrock

Juli 2010
Anna reckt ihr Händchen mit vier gespreizten Fingern in die Höhe, als die Trainerin sie fragt, wie groß sie ist. Die Vierjährige ist ganz aufgeregt und begeistert, weil der Papa ihr endlich auch einen Gi, einen Bambini-Judoanzug kaufen will. Dann unterscheidet sie sich nicht mehr von den anderen Kindern, mit denen sie zweimal in der Woche Budo übt, das Einmaleins japanischer Kampfkünste. Auch diesmal hat es Anna wieder riesigen Spaß gemacht. Eine Stunde ist sie gehüpft, (...)    Go

November 2009 | Computer, Bücher und Klaviere

November 2009
Im Direktorenzimmer der Schule gibt es weder einen klobigen Eichenholzschreibtisch noch einen schweren Ledersessel. Es ist bescheiden und zweckmäßig eingerichtet, in den hellen Regalen stehen neben ein paar Aktenordnern vor allem Bücher: Lexika, Schullektüre und Fachbücher, dazwischen Belletristik. »Ich brauche Bücher, damit ich mich wohlfühle«, betont Sebastian Koven und erzählt, daß er mit Büchern aufwuchs. Kein Wunder bei einem Großvater, der einst als Verleger im Akademie-Verlag (...)    Go

April 2009 | Chinesisch, Betragen, Fleiß und Mitarbeit

April 2009
Die Zebra-Klasse hat Pause. Zwei Doppelstunden Mathe und Sport liegen bereits hinter den rund zwanzig Erstklässlern. Ein paar Kinder spielen im klasseneigenen Hortraum, der sich gleich ans Unterrichtszimmer anschließt, einige trinken etwas oder essen ein Häppchen, andere sortieren ihre Mappen. Ein Mädchen mit keckem Pferdeschwanz grüßt den fremden Besucher höflich und fragt vertrauensvoll: »Wer bist du denn?« Es geht fröhlich und lebhaft zu, ohne wilde Toberei und (...)    Go

Oktober 2008 | Couch Potatos in action

So im Vorbeigehen Sachen zu erledigen, das ist nicht ihre Welt. Auch wenn Sie ihren Unterricht unter dem leichtfüßigen Motto »English to go« anpreist, scheint das mehr Werbeslogan denn Firmenphilosophie zu sein. Das mag an Doreen Büschels Erdverbundenheit liegen, daran, daß sie in einem Dörfchen mitten im Wald bei Dresden aufgewachsen ist. Jedenfalls faszinierte sie die Natur so stark, daß sie später Forstwissenschaften studierte, mit allem Drum und Dran, Motorsägenschein zum (...)    Go

August 2008 | Vom Gummiwerk nach Kreta

August 2008
Sie kennt den freien Fall, die Situation, wenn man in der Luft hängt, keinen Halt mehr findet, ohne Boden unter den Füßen. Erst kürzlich, an einem Wochenende, ist sie aus 3.300 Metern Höhe gesprungen. Zum ersten Mal in ihrem Leben, mit einem Fallschirm, in den schützenden Armen eines Profis. Ein Tandemsprung mit Garantie auf sichere Landung. Eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer alltäglichen Arbeit läßt sich dabei nicht leugnen. Schließlich ist Evelyn Jäger-Hülsmann (...)    Go

Mai 2008 | Unregelmäßige Verben vom Handy

Mai 2008
Schuld war die Tochter, die damals noch studierte, aber bereits als Nachhilfelehrerin arbeitete: Das würde doch nichts mit ihr als Rentnerin, der Unruhestand wäre wohl etwas verfrüht, animierte sie ihre Mutter, sich beim Studienkreis zu bewerben. Irene Beng ließ sich nicht lange bitten. Von der Pike auf Lehrerin für Geographie, Geschichte und Sprachen, viele Jahre in der Schulverwaltung tätig, davor, seit 1962, an Friedrichshainer Schulen wie der 5. Polytechnischen Oberschule (...)    Go

März 2008 | Sonnengruß und Feueratem

März 2008
Sie heißen Bhujangasana und Shalabhasana, ins Deutsche übersetzt: Kobra und Heuschrecke. Diese Übungen gehören ebenso zum Yoga-1x1 wie Surya Namaskar, der Sonnengruß oder Kapalabhati, die Schnellatmung. Letztere wird auch Feueratem genannt und ist eine Atemübung, die meist direkt auf die Anfangsentspannung bzw. die Einleitungsmantras folgt: Man hat die Augen geschlossen, sitzt aufrecht im Schneider- bzw. Lotussitz, ein Fuß auf einem Oberschenkel, den anderen Fuß auf den anderen (...)    Go

Juni 2007 | Coach für Liebe, Lust und Leidenschaft

Juni 2007
Ovid war ein Kenner. »Lust, die aus Pflicht gegeben wird, ist mir nicht willkommen; eine Pflichtleistung will ich von keinem Mädchen haben. Mir gefällt es, Laute zu hören, die echte Freuden gestehen …«, schrieb der römische Dichter in seiner Ars amatoria (Die Liebeskunst). Solche Ratschläge gibt er in dem langen Lehrgedicht noch viele. Sie bestärken den Eindruck, als könne man die Liebe wie eine Kunstfertigkeit, wie ein Handwerk erlernen. Das grandiose Mißverständnis besteht auch (...)    Go

Dezember 2006 | Wegweiser zu Bildung

Hier geht man nicht zum Shoppen rein und kommt trotzdem nicht mit leeren Händen raus. Aber es ist zweifellos ein Laden. Es gibt ein dekoriertes Schaufenster, eine Eingangstür, Ladenöffnungszeiten und ein spezielles Angebot. Der einzige Unterschied zu anderen Geschäften – man muß nicht mit Euro bezahlen, es gibt alles kostenlos. Doch vom süßen Dasein im utopischen Kommunismus, wo es kein Geld mehr gibt und wo jeder nach seinen Bedürfnissen leben und nach seinen Fähigkeiten (...)    Go

November 2006 | Beistand für einen gesunden Geist

Über den deutschen Arbeitsmarkt fegt ein eisiger Wind, PISA wirft dunkle Schatten, und wer beruflich keinen Fehlstart hinlegen will, darf sich den Schulabschluß nicht versauen. Das haben mindestens 70 Prozent der deutschen Gymnasiasten begriffen, denn sie nehmen zusätzlich zur Schule noch privaten Nachhilfeunterricht. Und während der ersehnte Wirtschaftsaufschwung vor sich hin dümpelt, boomt die Bildungsbranche. Nutznießer sind die Großen einer Bildungsindustrie, die zwar mit (...)    Go

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