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Die Literatur | April 2009

Margarete Drachenberg: Hegelianer in Stralau

Nach den Sommerferien wechselte Marx zur Universität von Berlin, wo die geistigen Nachfolger Hegels, der dort von 1818 bis 1831 den Lehrstuhl für Philosophie innege­habt hatte, sich um dessen Erbe stritten. Als Student an der juristischen Fakultät hatte er im Hörsaal einen Platz in der ersten Reihe, doch lange konnte er nicht den Versuchungen der Hegelschen Philosophie widerstehen. Um sich davon abzulenken, versuchte er sich vergeblich in der Abfassung einer Rechtsphilosophie und anderen schrift­stellerischen Experimenten. In einem Dialog von 24 Bögen, den er Kleanthes, oder vom Ausgangspunkt und notwendigen Fortgang der Philosophie nannte, machte er sich »an eine philosophisch-dialektische Entwicklung der Gottheit, wie sie als Begriff an sich … manifestiert«, wie er am 10. November 1837 seinem Vater schrieb. Schließlich merkte er: »Mein letzter Satz war der Anfang des Hegelschen Systems. Vor Ärger konnte ich einige Tage gar nichts denken, lief wie toll im Garten an der Spree … umher …«

 


 

Den Studenten der Jurisprudenz zog es also zur Philosophie, was ihm innere Qualen bereitete, die zum physischen Zusammenbruch führten. Nach einem längeren Erholungsaufenthalt in Alt-Stralau trat Marx gereift in einen neuen Lebensabschnitt. Er schloß sich einer Gruppe Junghegelianer um den Theologiedozenten Bruno Bauer und den radikalen Philosophen Arnold Ruge an, mit denen er bald zusammenarbeitete und sich später heftig entzweite. Der Doktorklub wußte sich nicht nur geistig zu ergötzen: regelmäßig wurden die lärmenden Dispute im Café Hippel ausgetragen und endeten nicht selten in feucht-fröhlichen Zechgelagen.

 

Karl Marx (1818-1883) wohnte im Sommer und Herbst 1837 in Stralau. Er weilte hier zur Erholung und zum Selbststudium. Unklar ist, ob er damals Alt-Stralau 18 (wo heute eine Gedenkstätte an ihn erinnert) oder Alt-Stralau 25 wohnte.

 

 

© und mit freundlicher Genehmigung aus: Margarete Drachenberg (Hrsg.), Befreien wir sie von den Hirngespinsten. Anekdoten über Marx, Eulenspiegel Verlag, Berlin 2008, ISBN 987-3-359-01319-8

 

 



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