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Die Geschäfte | April 2009

Latte Macchiato im Fotostudio

Große dunkle Kinderaugen schauen den Betrachter von den Wänden an. Die großformatigen Schwarzweißbilder sind Blickfang in dem hellen Geschäft. Die Fotos machte Thomas Hausstein vor ein paar Jahren in Südafrika. Momentaufnahmen, Alltags- und Straßenszenen, die zugleich eine Handschrift verraten, Haltung und Sichtweise. Und wie zur Bestätigung erklärt Hausstein, daß zu seinen Vorbildern unter den großen Fotografen Thomas Billhardt gehört, dessen Reportagefotos aus Vietnam oder Nikaragua damals fast alle DDR-Bürger kannten.

Bevor Hausstein seine Leidenschaft Fotografie zum Beruf machte, hatte er bereits Philosophie, Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte studiert, erzählt er, und in Leipzig Fotografie, an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst, die im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts immerhin von solch profunden Künstlern wie Werner Tübke, Bernhard Heisig und Arno Rink als Rektoren geleitet wurde. Und so ahnt der aufgeklärte Zeitgenosse, daß Hausstein bei seiner Arbeit nicht wild drauflos knipst, sondern verarbeitet und künstlerisch widerspiegelt. »Ich bin Purist«, sagt er heute 48jährige und beschreibt, daß er beispielsweise bei Porträtfotos dunkle Hintergründe bevorzuge und den Fokus direkt aufs Gesicht richte.

Kompagnon Sascha Rubert ist da eine willkommene Ergän­­zung, weil er viel Zeit darauf verwendet, im Fotostudio die Wünsche der Kunden heraus­zu­kitzeln oder den Models beim Positionieren zu helfen. Beide zusammen kümmern sich im Fotowerk um Studio und Printer, Belichten und Bearbeiten der digitalen Bilddateien, während Monique Marczak, die Dritte im Bunde, Galerie und vor allem die Bildagentur auf- und ausbaut. Schwerpunkte: künstlerische und Werbefotografie sowie Berlin- und Friedrichshain-Dokumentationen. Vervollständigt wird das Arbeitskollektiv von Alice Seltser, die zwar noch in der Ausbildung zur Foto- und Medienfachfrau steckt, aber das kleine Reich hinter der Kaffee­theke schon professionell beherrscht und nicht nur heißen Espresso serviert, sondern auch göttliche selbstgebackene Bagels oder Crêpes.

Das Konzept mit dem integrierten Café ist neu für das Fotowerk, seit es vor einem Vier­teljahr aus der Niederbar­nim­straße an den Wismarplatz zog. Man möchte sich sehr wohl im gastronomischen Nie­mands­land zwischen Simon-Dach-Straße und Ostkreuz respektabel etablie­ren, meint Haustein, aber die Fotografie bliebe natürlich auch künf­tig die Hauptprofession. Und das in der beachtlichen Spannbreite vom Expreßservice für Paß- und Bewerbungsfotos oder Fotoschule und Photoshop-Kursen über klassische Filmentwicklung von Farbe und Schwarzweiß, Abzüge von Negativen, Dias oder Ausbelichtungen digitaler Daten bis zu Großfotos. Diese können dann über einen Meter breit sein, auf Leinen gedruckt und über einen Keilrahmen gespannt werden. Wie ein Gemälde für die eigenen vier Wände, hergestellt von Fotowerkern, die ihr Handwerk als Kunst verstehen. Und die, wenn Zeit bleibt, ihr schweres Bike besteigen und – wie Thomas Hausstein – zum nächsten Konzert von Engerling oder Monokel fahren. Wegen des Blues.

 

Manfred Rebner

 

Fotowerk. Fotostudio - Fotolabor - Fotoschule - Fotoagentur - Galerie & Café, Boxhagener Str. 43, 10245 Berlin, Tel. 030/290 086 33, www.fotowerkstatt.com, info [at] fotowerk-berlin [punkt] com, Mo 12–20 Uhr, Di–Fr 8 bis 20 Uhr, Sa–So 12 bis 18 Uhr

 



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