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Die Geschäfte | Mai 2007

Der Gute-Laune-Laden

Alles ist gut. Du sitzt auf der Sonnenseite, die alte Teekiste aus Sperrholz dient als Tischchen, der Latte schmeckt, die duftenden selbstgemachten goldbraunen Brioche kitzeln die Nase. So kann man das langsame Munterwerden im Kiez aushalten. Dann gehst du in den Laden, um noch einen Espresso zu bestellen, hörst aber Klänge, die für diesen Ort eher untypisch sind. Nicht diese schleimig-säuselnde Dudelei oder nerviges Wummwumm, sondern lebendigen und fröhlichen Rhythmus. Elektronisch unverkleidete Melodien, in die jemand eine Prise gute Laune gemischt hat. Du könntest sofort lostanzen oder wenigstens rumzappeln, wenn es nicht für Ort und Zeit völlig unpassend wäre. Also begnügst du dich damit, den Chef des kleinen Cafés nach der Musik zu fragen. Er reicht dir die CD-Hülle und erklärt, daß die Band Dog Urban-Country spielt, also nicht unbedingt das, wonach John Wayne mit Dolly Parton tanzen würde. Beim genaueren Hingucken erkennst du auf dem Booklet den Wirt, und er verrät etwas verlegen, daß er tatsächlich bei den Dog Schlagzeug spielt.

Und auf einmal erzählt dir Wulf Claussen, wie er damals aus dem Nest zwischen Kiel und Eckernförde nach Westberlin kam und daß er schon vor gut zwanzig Jahren in einer Punk- und New Wave-Band gespielt habe. Der studierte Wirtschaftspädagoge sattelte zwar noch einmal auf Tischler um, war aber am liebsten in der weiten Welt unterwegs. Beispielsweise fast drei Jahre auf einer Segeltörn kreuz und quer durch die Karibik oder dann jahrelang zum Jobben in Westeuropa.

Wahrscheinlich schulte er durch sein Herumkommen auch den Blick für das Gute und Beständige, für Lebensstil und Lebensqualität. Jedenfalls schwärmt der heute 45jährige sofort von den Kakaobohnen aus dem venezolanischen Ocumare, die für die Edelbitterschokolade verwendet werden, die es in seinem Laden zu kaufen gibt und die natürlich mit ihrem Botenstoff Serotonin im Gehirn gute Laune auslöst. Er kann auch aus dem Stehgreif beim Kaffee den Unterschied zwischen den Sorten Arabica und Robusta erklären oder warum ein richtig guter Espresso innerhalb von 20 bis 25 Sekunden aus seiner »Gaggia«, der Kaffeemaschine, gelaufen sein muß. Und da Globetrotter wohl auch Weinkenner sein müssen, wundert es nicht, daß er seinen roten Italiener anpreist. Einen Primitivo, der alles andere als primitiv ist, sondern nach überreifen roten Früchten schmeckt, warm und samtig ist mit langem Abgang. Oder etwas ganz anderes, aber ebenfalls für Kenner: Mister Zero, der einzige wohlschmeckende Sekt, den es im Kiez zu kaufen gibt.

Leider ist auch die längste Kaffeepause irgendwann zu Ende: Doch vorm Gehen mußt du Wulf Claussen wenigstens noch beglückwünschen, doppelt und dreifach: Zuerst zu seiner Frau Diana, schon weil sie himmlischen Kuchen bäckt. Sodann zu seinem Mut, eine Geschäftsidee nicht nur auf dem Papier stehen zu lassen, sondern genau hier in der Simon-Dach-Straße, zwischen Grünberger und Boxhagener, umzusetzen. Und schließlich zu solchen Stammkunden wie unsereins, die ihre tägliche Portion gute Laune hier abholen.

 

Manfred Rebner

 

»Alles Gute …« Weinhandlung & Café. Weine, Kaffee, Schokoladen, hausgemachte Kuchen, Tapas und Snacks, Simon-Dach-Str. 3, Di–Fr 11–18.30 Uhr, Sa 10–17 Uhr, So 12–17 Uhr



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