Friedrichshainer Chronik - Berlin Friedrichshain

Das Essen | Februar 2009

Zauberhafte Tamarinde

Der Name täuscht. Ein wenig. Denn bei dem kleinen Restaurant in der Krossener Straße am Boxhagener Platz handelt es sich weder um den Nudel-Ableger einer großen amerikanischen Bouletten-Kette noch um einen pseudoitalienischen Pasta-Billiganbieter, wie man in diesem Vergnügungsviertel doch eher vermuten könnte. Vielmehr versteckt sich hinter dem Schild noodle king beste asiatische, sprich Thai-Küche. Übrigens kein Wunder bei der großen Papaya-Schwester schräg über die Straße.

Freilich, von außen wie auch im kleinen Gastraum selbst deutet wenig auf das Exotische hin. Lediglich die Bambusrohre am Bartresen erinnern ans Fremdländische. Tür- und Fensterrahmen in Weinrot, lindgrüne Wände mit einer Spielgelleiste, die braune Decke korrespondiert mit den Terrakottafliesen. An hellen Holztische stehen schwarze Stühle mit roten oder grünen Rückenkissen, auf den Tischen im schmalen Wasserglas eine Rose, in der Ecke ein Bonsai. Die Deko ist sparsam, aber professionell sowie kunst- und liebevoll. Die Krönung sind sie zahlreichen Nudelarrangements, an denen man sich gar nicht satt sehen kann.

Aber im noodle king geht es ums Sattwerden auf köstliche Art. Da die Weihnachtsvöllerei noch nicht lange zurücklag, wählte meine liebreizende Begleiterin aus dem lukullischen Angebot von Suppen, Salaten oder Glas- und Eiernudeln natürlich eine Nudelsuppe. Mit Erdnüssen, Koriander, Limettensaft, Sojasprossen, Schweinskruste und Zwiebeln in säuerlich-scharfer Hühnerbrühe mit Garnelen, für 6,90 Euro. Wie eine Zungenautistin löffelte sie mit sichtlichem Entzücken, der Ko­rian­derduft schwebte über unserem Tisch.

Meine Wahl war 20 Cent preiswerter: Reisnudeln mit Hähnchen, ich hätte auch mit Rindfleisch oder Tofu nehmen können. Das Mahl wurde in einer im wahrsten Sinne des Wortes schrägen Designerschüssel serviert, anfangs stocherte ich noch unprofessionell mit den Stäbchen in der Speise, bald griff ich voller Gier nach Gabel und Löffel und nahm keine Rücksicht mehr auf Stil und Etikette. Auf jeden Bissen träufelte ich mir von den gereichten Soßen, wobei mir trotz der Schweißperlen auf der Stirn die Pepperoni in Öl und die mehr als pikante Sriracha Hot Chili Sauce Phoenix am besten mundeten, selbst­verständlich so dosiert, daß der frische Erdnuß- und Tamarindengeschmack nicht überlagert wurde und die knackigen Sojasprossen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Und ganz nebenbei erklärte mir die freundliche Bedienung, daß Tamarinde in Thailand äußerst beliebt ist und nicht nur zur Soßenherstellung genutzt wird, sondern auch eingelegt oder getrocknet, süß, sauer und salzig gegessen wird.

Aufgeräumt, satt und außerordentlich befriedigt bedankten wir uns überschwenglich bei der Kochkunsthandwerkerin in der Küche hinterm Tresen. Bevor wir dem siebten Gourmethimmel entschwebten, versprachen wir ein baldiges Wiederkommen, und meine Begleiterin meinte augenzwinkernd: »Es muß ja nicht immer Pasta sein!«

Justus Hackmann

noodle king, Krossener Straße 15, 10245 Berlin, Telefon 030-212 388 48, info [at] noodle-king [punkt] de, täglich 12 bis 24 Uhr geöffnet, bis Ostern mittwochs Ruhetag



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