Mai 2009Die Menschen Die Straßen Die Reportage Das Trinken Das Essen Die Geschäfte Die Praxis Die Orte Die Literatur Mandy Meier Die BlickpunkteAusgaben2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
KalenderVorschau |
Mandy Meier | Mai 2009
Ordnung muß sein!
Die Sonne gaukelte seit Tagen Sommer vor. Wild entschlossen hatten Mandy und ihre Busenfreundin Gabi ihr wöchentliches Kaffeekränzchen vorverlegt und sich schon am Morgen getroffen. Im heimeligen Café in der Oderstraße, wo außerdem in der Manufaktur im Hinterzimmer Textilien phantasievoll bedruckt werden. Draußen, im Sonnenschein, löffelte Gabi entzückt den Schaum ihres Latte Macchiatos, gutgelaunt tunkte Mandy das mitservierte Schokoladenstückchen in den Milchkaffee. Aus dem Wurzelwerk, dem Bioladen nebenan, tippelte Oma Krause und verschnaufte kurz auf dem Bänkchen, mit dem ein Beet um den Baum direkt vorm Café umzäunt war. Sie freute sich über die bunten Frühlingsblumen und meinte, daß so etwas doch viel, viel schöner sei als die Termitenhügel von stinkender Hundekacke auf den Gehwegen.
Die Betreiber und Gäste des Cafés erwogen schon eine nonverbale Konfliktlösung, um die Angelegenheit in aller Freundschaft durch das Faustrecht zu regeln, bewahrten sich am Ende jedoch ein bißchen Restwürde. Anders das kommunale Einsatzkommando, das seine Adrenalinvorräte ausgeschüttet hatte. Wie beim polynesischer Paarungstanz hüpfte das Duo Infernale um die Baumscheibe und demolierte in Windeseile die kleine Holzbank. Der Mann hatte zwar Mundgeruch wie ein Mammut, wie Mandy noch aus drei Metern Entfernung feststellen mußte, jubelte aber bei jedem losgelösten Sitzbrett, als ob er sich in einem Du-kannst-es-schaffen-Motivationsseminar beweisen müßte. Am Ende ihres Einsatzes, körperlich und intellektuell total verausgabt, aber mit einem manischen Dauergrinsen im Gesicht, verstauten die Beamten ihre Utensilien wieder im Auto und fuhren grußlos davon. Angeekelt von so viel Ordnungssinn, grübelte Gabi, ob deutsches Verwaltungsrecht noch mit Bürgerrecht vereinbar sei. Mandy antworte nicht, sondern fragte nur zurück, ob Gabi gesehen habe, wie professionell der Ordnungshüter mit dem Werkzeug umgehen konnte. Und ohne eine Antwort abzuwarten, resümierte sie: »Da sieht man doch, wie nützlich damals die polytechnische Ausbildung an unseren DDR-Schulen war!« Es war höchste Zeit für einen Cointreau. Thomas Heubner
|
----- Anzeigen -----
|
||||||||||||||||||||||
Sitemap



















